Trading Notizen 12 – Typische Tradingfehler

Trading ohne Fehler funktioniert nicht.

Wahrscheinlich macht jeder Trader Fehler. Der Anfänger genauso wie jemand, der seit zehn oder zwanzig Jahren handelt. Der Unterschied liegt eher darin, wie man mit den Fehlern umgeht.

Das meiste lernt man meiner Meinung nach genau aus solchen Situationen.

Ein Fehltrade ist zunächst nichts anderes als ein Geldverlust. Erst wenn ich anschließend analysiere:

Warum habe ich diesen Trade gemacht?

Welche Informationen hatte ich?

Welche Signale habe ich benutzt?

Habe ich meine Strategie eingehalten?

Oder habe ich emotional gehandelt?

wird aus einem Fehltrade tatsächlich eine Erkenntnis.

Genau deshalb finde ich ein Tradingtagebuch inzwischen so wichtig.

Der Trader dokumentiert nicht nur Gewinne und Verluste, sondern vor allem seine Entscheidungen.

In diesem Artikel gehe ich einige typische Fehler durch, die meiner Meinung nach besonders häufig beim Trading auftreten.

1. Fehlerhafte optische Chartdarstellung

Das klingt zunächst nach einem unwichtigen Detail.

Ist es aber nicht.

Wenn ich einen Chart auf meinem Bildschirm öffne, sollte ich ihn so darstellen, dass genügend Platz vorhanden ist:

links

rechts

oben

und:

unten.

Der Chart sollte nicht direkt am Bildschirmrand kleben.

Gerade rechts sollte etwas Platz vorhanden sein, damit man den aktuellen Kurs nicht direkt gegen den Rand analysieren muss.

Warum?

Weil der Trader sonst unbewusst dazu neigt, die letzten Bars viel stärker zu gewichten als die vorherige Marktstruktur.

Ein weiterer wichtiger Punkt:

Den Vortag mit anzeigen.

Gerade beim kurzfristigen Trading liefert der Vortag wichtige Referenzpunkte:

  • Vortageshoch
  • Vortagestief
  • Schlusskurs
  • größere Bewegungen
  • vorherige Unterstützungen und Widerstände
  • Innen- und Außenstäbe

Wer nur die letzten zwanzig Minuten betrachtet, verliert schnell den Zusammenhang.

Die Darstellung eines Charts ist deshalb nicht nur Optik.

Sie beeinflusst die Wahrnehmung des Traders.

2. Während eines Handelstages nicht ständig die Kontraktzahl verändern

Ein typischer Fehler entsteht nach einem Fehltrade.

Ich starte beispielsweise mit:

2 Futures-Kontrakten.

Der erste Trade verliert.

Jetzt denke ich:

Beim nächsten nehme ich vier Kontrakte, damit ich den Verlust wieder reinbekomme.

Der nächste Trade verliert ebenfalls.

Jetzt vielleicht:

6 Kontrakte.

Damit habe ich meine eigentliche Strategie verlassen.

Ich handle nicht mehr den Markt.

Ich handle meinen vorherigen Verlust.

Genau das ist gefährlich.

Die Positionsgröße sollte bereits vor dem Tradingtag durch mein Risikomanagement bestimmt werden.

Zum Beispiel:

maximal 0,25 %

oder:

0,5 %

des Tradingkapitals pro Trade.

Dann ergibt sich die Kontraktzahl aus:

Stop-Abstand × Tickwert × maximal akzeptiertes Risiko.

Nicht aus meiner Stimmung.

Ein Verlust ist deshalb kein Grund, beim nächsten Trade das Risiko zu erhöhen.

3. Nicht sofort mit der maximalen Kontraktzahl beginnen

Viele Anfänger machen genau das Gegenteil von dem, was eigentlich sinnvoll wäre.

Sie haben ein Konto eröffnet.

Sie kennen theoretisch die maximale Margin.

Und daraus entsteht:

Wenn der Broker mir zehn Kontrakte erlaubt, kann ich zehn handeln.

Nein.

Dass ein Broker eine Position technisch zulässt, bedeutet nicht, dass diese Position zu meinem Risikoprofil passt.

Gerade am Anfang sollte die Positionsgröße bewusst klein sein.

Das Ziel lautet zunächst nicht:

Möglichst schnell viel Geld verdienen.

Sondern:

Möglichst lange im Markt bleiben und lernen.

Wenn ein schlechter Tradingtag bereits 10 oder 20 % des Kontos kostet, stimmt das Risikomanagement nicht.

Ein einzelner Fehler darf das Konto nicht zerstören.

Der Trader sollte eine Positionsgröße wählen, bei der auch mehrere Fehltrades hintereinander finanziell und psychologisch verkraftbar bleiben.

4. Verschiedene Futures nicht miteinander verwechseln

Wenn ich mehrere Märkte handle, darf ich nicht automatisch davon ausgehen, dass jeder Markt dieselbe Bewegung macht.

Ein Beispiel:

Der Dow-Jones-Future bricht nach oben aus.

Dann bedeutet das nicht automatisch:

Der DAX muss jetzt ebenfalls ausbrechen.

Natürlich können Aktienindizes stark miteinander korrelieren.

Vor allem in großen Risk-on- oder Risk-off-Bewegungen laufen:

S&P 500

Dow Jones

Nasdaq

DAX

und:

EURO STOXX 50

häufig in eine ähnliche Richtung.

Aber es bleiben unterschiedliche Märkte.

Sie besitzen:

  • andere Indexzusammensetzungen
  • andere Branchengewichtungen
  • andere Handelszeiten
  • andere Marktteilnehmer
  • unterschiedliche Volatilität
  • unterschiedliche Nachrichten

Deshalb muss jeder Future eigenständig analysiert werden.

Der amerikanische Markt kann mir Kontext liefern.

Er ersetzt aber nicht die Analyse meines eigentlichen Marktes.

5. Nicht den ganzen Tag am Chart sitzen

Das ist wahrscheinlich einer der größten psychologischen Fehler.

Der Trader hat:

Einstieg.

Stop.

Ziel.

Strategie.

Und dann sitzt er trotzdem drei Stunden direkt vor dem Chart.

Jeder Tick wird beobachtet.

Grün:

Super.

Rot:

Mist.

Nächster Bar:

Vielleicht aussteigen.

Noch ein Bar:

Vielleicht Stop enger.

Genau dadurch entsteht unnötiger Stress.

Wenn meine Strategie bereits definiert ist, muss ich nicht jede Sekunde neu darüber entscheiden.

Natürlich gibt es Tradingstile, bei denen der Markt aktiv beobachtet werden muss.

Aber auch dort sollte ich nicht bei jedem Tick meine Meinung ändern.

Eine Strategie soll gerade verhindern, dass während des Trades ständig neue emotionale Entscheidungen entstehen.

6. Der Markt soll mich nicht den ganzen Tag verfolgen

Das gehört direkt zum vorherigen Punkt.

Ich muss nicht:

jede Börsenmeldung lesen,

jede Minute mein Handy kontrollieren,

jede neue Kerze anschauen,

jeden Tweet eines Analysten verfolgen.

Trading sollte für mich eine Tätigkeit mit definierten Zeiten sein.

Nicht ein permanenter Zustand.

Wenn ich beispielsweise sage:

Dienstag und Donnerstag jeweils drei Stunden.

Dann sind diese drei Stunden mein Trading.

Danach endet mein Tradingtag.

Das finde ich auch psychologisch wichtig.

Denn wenn ich permanent Charts, News, Kurse und Depot kontrolliere, beschäftigt mich der Markt irgendwann auch dann, wenn ich gar keine Entscheidung treffen müsste.

Das erhöht nicht automatisch meine Informationsqualität.

Es erhöht häufig nur meinen Stress.

7. „Der Markt macht immer das Gegenteil“

Fast jeder Trader kennt dieses Gefühl.

Man kauft.

Der Kurs fällt.

Man verkauft.

Der Kurs steigt.

Dann entsteht schnell der Gedanke:

Der Markt wartet nur darauf, bis ich einsteige.

Natürlich tut er das nicht.

Das eigentliche Problem ist häufig ein anderes:

Der Trader steigt emotional zu spät ein.

Eine Aktie steigt bereits stark.

Der Trader sieht die Bewegung.

Er wartet.

Sie steigt weiter.

Jetzt entsteht FOMO.

Er steigt ein.

Genau zu diesem Zeitpunkt beginnen frühere Marktteilnehmer möglicherweise bereits Gewinne mitzunehmen.

Dann korrigiert der Markt.

Für den Anfänger sieht es aus wie:

Immer wenn ich kaufe, fällt der Markt.

In Wirklichkeit war vielleicht nur der Einstieg schlecht.

Deshalb hilft das Verständnis von:

Trendaufbau

Bewegung

Korrektur

Punkt 1-2-3

Umkehrstab

und:

Ausbruch.

Die Frage sollte nicht lauten:

Der Markt steigt – soll ich jetzt kaufen?

Sondern:

Wo innerhalb der aktuellen Struktur befindet sich der Markt gerade?

8. Nicht hundert Fachbücher gleichzeitig lesen

Das klingt vielleicht etwas merkwürdig, weil ich selbst sehr viel lese.

Aber auch hier kann man übertreiben.

Es bringt mir wenig, hundert Tradingbücher zu lesen und anschließend:

200 Indikatoren,

50 Strategien,

30 Chartmuster

und:

zehn verschiedene Tradingphilosophien

im Kopf zu haben.

Dann öffne ich einen Chart und weiß trotzdem nicht, was ich tun soll.

Wissen sollte nicht nur in die Breite, sondern vor allem in die Tiefe gehen.

Ich würde lieber zwei oder drei wirklich gute Fachbücher nehmen und deren Konzepte tatsächlich anwenden.

Zum Beispiel:

Markttechnik lernen.

Charts analysieren.

Trades dokumentieren.

Fehler finden.

Noch einmal lesen.

Wieder testen.

Das ist meiner Meinung nach wesentlich wertvoller, als jeden Monat eine neue Methode auszuprobieren.

9. Sich auf einen Markt spezialisieren

Dazu gehört auch die Auswahl des Marktes.

Ein Trader muss nicht gleichzeitig:

Aktien,

Forex,

Krypto,

Futures,

Optionen

und:

Rohstoffe

handeln.

Jeder Markt besitzt eigene Besonderheiten.

Forex-Trader beschäftigen sich beispielsweise stark mit:

  • Sessions
  • Zentralbanken
  • Zinsdifferenzen
  • Makrodaten

Aktientrader müssen stärker auf:

  • Unternehmensberichte
  • Earnings
  • Unternehmensnachrichten
  • Gaps

achten.

Futures-Trader beschäftigen sich unter anderem mit:

  • Kontrakten
  • Tickwert
  • Margin
  • Laufzeiten
  • Open Interest
  • Orderbuch

Krypto besitzt wiederum:

  • Funding
  • Liquidationen
  • 24/7-Handel
  • unterschiedliche Börsen

Natürlich kann man verschiedene Märkte ausprobieren.

Gerade am Anfang gehört das zur Suche nach dem eigenen Stil.

Aber irgendwann sollte man sich fragen:

Welcher Markt passt wirklich zu mir?

Und dann dort Tiefe entwickeln.

10. Eine profitable Position nicht grundlos schließen und sofort wieder eröffnen

Auch das ist ein interessanter Fehler.

Ich bin beispielsweise Long.

Der Trade läuft gut.

Dann denke ich:

500 € Gewinn. Lieber erstmal sichern.

Ich schließe.

Fünf Minuten später steigt der Markt weiter.

Jetzt denke ich:

Mist, der Trend geht weiter.

Ich kaufe erneut.

Damit habe ich möglicherweise:

  • zweimal Gebühren bezahlt
  • einen schlechteren Einstieg bekommen
  • zusätzlichen Spread bezahlt
  • meine ursprüngliche Strategie verlassen

Wenn mein Tradingplan sagt:

Trend handeln, Stop nachziehen

dann sollte ich nicht mitten im Trend aus Angst Gewinne mitnehmen und anschließend wieder hineinspringen.

Natürlich kann eine Teilgewinnmitnahme sinnvoll sein.

Aber dann sollte sie Teil der ursprünglichen Strategie sein.

11. Nicht fragen: „Wohin geht der Markt?“

Diese Frage finde ich inzwischen immer weniger hilfreich.

Wo steht der DAX heute Abend?

Wo steht Bitcoin morgen?

Steigt Apple nächste Woche?

Niemand weiß es.

Und für einen Trader ist die Frage möglicherweise auch gar nicht notwendig.

Viel interessanter ist:

Wo entsteht gerade eine handelbare Bewegung?

Damit verändert sich die Denkweise.

Ich muss nicht den gesamten zukünftigen Markt vorhersagen.

Ich brauche nur eine konkrete Situation:

Trend

Bewegung

oder:

Ausbruch.

Dazu:

Einstieg

Stop

Ziel.

Den Rest darf der Markt selbst machen.

12. Fehltrades immer analysieren

Ein Fehltrade sollte nicht einfach aus dem Kopf gelöscht werden.

Gerade der Verlusttrade kann besonders wertvoll sein.

Ich sollte fragen:

Warum bin ich eingestiegen?

Welches Setup hatte ich?

Welcher Trigger?

Was machte die übergeordnete Zeiteinheit?

Wo lag mein Stop?

War meine Positionsgröße korrekt?

War der Trade technisch falsch oder nur das Ergebnis negativ?

Dieser letzte Punkt ist sehr wichtig.

Ein sauber geplanter Trade kann verlieren.

Ein schlechter Trade kann gewinnen.

Deshalb muss das Tradingtagebuch unterscheiden zwischen:

Trade-Ergebnis

und:

Qualität der Entscheidung.

13. Candlestick-Formationen nicht überbewerten

Beim markttechnisch orientierten Trading interessiert mich nicht in erster Linie, ob eine Kerze irgendeinen exotischen japanischen Namen trägt.

Natürlich können Candlesticks zusätzliche Informationen liefern.

Aber ich möchte nicht aus jedem:

Hammer,

Shooting Star,

Morning Star,

Engulfing Pattern

eine eigene Tradingstrategie machen.

Für die Markttechnik ist wichtiger:

Wo befindet sich der Bar innerhalb der Marktstruktur?

Ein Umkehrstab an einem sinnvollen Punkt 3 ist interessant.

Die gleiche Kerzenform mitten in einer chaotischen Bewegung kann praktisch bedeutungslos sein.

Die Struktur kommt zuerst.

Die Kerze kann anschließend als:

Trigger

oder:

Bestätigung

dienen.

14. Nicht mitten in eine Korrektur hinein handeln

Das ist ein sehr typischer Anfängerfehler.

Der übergeordnete Trend steigt.

Der Markt beginnt zu korrigieren.

Der Trader sieht:

Aufwärtstrend.

Also kauft er.

Aber die Korrektur ist noch überhaupt nicht beendet.

Der Kurs fällt weiter.

Genau deshalb reicht es nicht, nur die Trendrichtung zu kennen.

Ich muss gleichzeitig wissen:

Befinde ich mich gerade in der Bewegung oder in der Korrektur?

Für einen Long-Einstieg möchte ich meistens nicht einfach irgendwo innerhalb einer fallenden Korrektur kaufen.

Ich möchte Hinweise darauf bekommen, dass diese Korrektur tatsächlich endet und eine neue Bewegung entstehen könnte.

Zum Beispiel:

Punkt 3

Umkehrstab

Bruch einer Korrekturtrendlinie

oder:

Ausbruch über einen relevanten Punkt.

15. Nicht in ein noch offenes Signal hinein handeln

Ähnlich problematisch ist ein:

offenes Signal.

Ich glaube zu wissen, was wahrscheinlich gleich passiert.

Der Ausbruch hat aber noch gar nicht stattgefunden.

Der Umkehrstab ist noch nicht abgeschlossen.

Der Punkt 2 ist noch nicht gebrochen.

Trotzdem steige ich bereits ein.

Warum?

Weil ich einen besseren Einstiegspreis haben möchte.

Damit handle ich aber nicht das Signal.

Ich handle meine Erwartung an das Signal.

Manchmal funktioniert das hervorragend.

Aber dann muss es ausdrücklich Teil einer getesteten Strategie sein.

Wenn meine Regel lautet:

Einstieg erst nach Bestätigung,

dann sollte ich auch auf die Bestätigung warten.

16. Copy Trading ersetzt keine eigene Kompetenz

Ein weiterer Fehler:

Blindes Copy Trading.

Jemand schreibt:

LONG DAX 24.500
STOP 24.450
TARGET 24.650

Ich kopiere.

Aber ich weiß nicht:

Warum Einstieg dort?

Welche Zeiteinheit?

Trend?

Bewegung?

Ausbruch?

Warum Stop dort?

Was passiert, wenn sich die Struktur verändert?

Damit habe ich eigentlich keinen eigenen Trade.

Ich habe nur die Order eines anderen Menschen kopiert.

Und genau dadurch lerne ich nichts.

Copy Trading kann interessant sein, um Strategien zu beobachten.

Es sollte aber meiner Meinung nach niemals das eigene Verständnis ersetzen.

17. Üben, Erfahrung sammeln und den eigenen Stil finden

Am Anfang weiß wahrscheinlich niemand genau:

Bin ich Trendtrader?

Bewegungstrader?

Breakout-Trader?

Daytrader?

Swing-Trader?

Das muss man herausfinden.

Und genau dafür braucht es:

Praxis + Tagebuch + Wiederholung.

Nach vielen Trades entsteht möglicherweise ein Muster.

Ich stelle fest:

Meine besten Trades entstehen:

vormittags,

im DAX,

nach Korrekturen,

in Richtung des 60-Minuten-Trends.

Meine schlechtesten Trades entstehen:

nachmittags,

gegen den Trend,

nach Nachrichten,

aus Langeweile.

Jetzt habe ich etwas gelernt.

Das ist wesentlich wertvoller, als einfach den Tradingstil eines anderen Menschen zu kopieren.

18. Nicht jedes Signal handeln

Dieser Punkt ergibt sich eigentlich aus fast allen vorherigen Fehlern.

Nur weil ein Signal vorhanden ist, muss ich es nicht handeln.

Vielleicht ist die Liquidität schlecht.

Vielleicht kommt gleich eine wichtige Wirtschaftsmeldung.

Vielleicht liegt direkt darüber ein großer Widerstand.

Vielleicht steht der größere Trend genau entgegen.

Oder mein maximales Tagesrisiko wurde bereits erreicht.

Ein professioneller Trader muss deshalb wahrscheinlich genauso gut:

nicht handeln

können wie handeln.

19. Nach Verlusten nicht sofort „zurückgewinnen“ wollen

Dieser Fehler ist so gefährlich, dass ich ihn separat aufnehmen würde.

Ich verliere:

500 €.

Jetzt verändert sich mein Ziel.

Vor dem Trade wollte ich:

eine gute Bewegung handeln.

Nach dem Verlust will ich:

die 500 € zurück.

Damit ist plötzlich mein vorheriger Kontostand mein Tradingziel.

Der Markt kennt diesen Kontostand aber nicht.

Jetzt entstehen:

größere Positionen,

schlechtere Setups,

zu viele Trades,

zu enge Stops.

Das nennt man häufig:

Revenge Trading.

Genau deshalb sollte es eine feste:

Tagesverlustgrenze

geben.

Ist sie erreicht:

Trading beenden.

20. Gewinnziel nicht erzwingen

Dieser Punkt gilt genauso für Gewinne.

Wenn ich mir sage:

Ich muss heute unbedingt 2.000 € verdienen,

kann das genauso gefährlich werden.

Vielleicht bietet der Markt heute nur einen guten Trade mit:

600 € Gewinn.

Eigentlich ein hervorragender Tag.

Aber ich möchte 2.000 €.

Also trade ich weiter.

600 €

→ 300 €

→ –200 €.

Aus einem erfolgreichen Tradingtag wird ein Verlusttag.

Deshalb:

Gewinnziele dürfen Orientierung geben.

Sie dürfen aber niemals dazu führen, dass Trades erfunden werden, die der Markt gar nicht anbietet.

21. Strategie nicht während des Trades wechseln

Das ist vielleicht einer der wichtigsten Fehler überhaupt.

Ich beginne mit:

Ausbruchshandel.

Der Ausbruch scheitert.

Jetzt sage ich:

Eigentlich wollte ich sowieso den Trend handeln.

Der Kurs fällt weiter.

Dann:

Ist jetzt ein langfristiges Investment.

Damit habe ich meinen Trade dreimal verändert, nur damit ich den Verlust nicht akzeptieren muss.

Das darf nicht passieren.

Vor dem Einstieg muss klar sein:

Trend

Bewegung

oder:

Ausbruch.

Daran orientieren sich:

Stop

Ziel

und:

Ausstiegsregel.

Der Trade darf nicht nachträglich umbenannt werden, nur weil er gerade nicht funktioniert.

Was ich aus typischen Tradingfehlern mitnehme

Die meisten Fehler entstehen wahrscheinlich gar nicht dadurch, dass der Trader zu wenig über einen bestimmten Indikator weiß.

Viele Fehler entstehen durch:

Ungeduld

Gier

Angst

zu hohe Positionsgröße

fehlende Vorbereitung

fehlende Strategie

ständiges Wechseln der Meinung

und:

fehlende Nachbereitung.

Deshalb glaube ich immer weniger daran, dass der entscheidende Unterschied zwischen einem guten und schlechten Trader irgendein geheimer Indikator ist.

Der Unterschied liegt wahrscheinlich viel stärker darin, ob jemand seine eigenen Regeln tatsächlich einhalten kann.

Ein Trader kann eine hervorragende Strategie besitzen.

Wenn er sie aber:

nach zwei Verlusten verändert,

Stops verschiebt,

Gewinne zu früh mitnimmt,

Positionsgrößen spontan erhöht

und:

aus Langeweile neue Trades eröffnet,

hilft ihm die beste Strategie nichts.

Genau deshalb wird das Tradingtagebuch für mich immer wichtiger.

Es zeigt mir nicht, wie gut ich glaube zu handeln.

Es zeigt mir, wie ich tatsächlich handle.

Und wahrscheinlich ist genau das einer der unangenehmsten, aber wertvollsten Teile des Lernprozesses:

Nicht nur den Markt analysieren – irgendwann muss man anfangen, den eigenen Trader zu analysieren.

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