Trading Notizen 11 – Handelsvorbereitung, Märkte und Tagebuch

Gedanken-Zusammenfassung

Die Notizen, die ich hier für euch ausarbeite, basieren momentan zum großen Teil auf einem Buch von Michael Voigt, das ich gerade lese.

Nach vielen Jahren mit Aktien, Trading, einigen Hochs und natürlich auch entsprechendem Lehrgeld habe ich mich entschieden, wesentlich tiefer in die Materie einzusteigen.

Ich habe über die Jahre dutzende Bücher von verschiedenen Autoren gelesen. Viele davon behandeln einzelne Elemente des Tradings, Börsenpsychologie, Charttechnik oder irgendwelche Strategien. Oft bekommt man durchaus interessante Gedanken mit.

Was mir aber immer wieder gefehlt hat, ist die Tiefe des eigentlichen Marktes.

Warum entstehen bestimmte Bewegungen?

Was passiert zwischen Bewegung und Korrektur?

Warum wird ein Punkt im Chart überhaupt wichtig?

Welche Rolle spielen die anderen Marktteilnehmer?

Wann ist ein Trend tatsächlich kaputt und wann sieht eine kleine Zeiteinheit nur gefährlich aus?

Warum werde ich ausgestoppt und der Markt läuft danach genau in meine gewünschte Richtung?

Genau solche Fragen werden für mich durch Michael Voigts Markttechnik Stück für Stück verständlicher.

Dabei lasse ich in meinen Trading-Notizen bewusst einen großen Teil der Tiefe weg.

Nicht weil diese unwichtig ist, sondern weil genau diese Tiefe einen großen Teil des Buches ausmacht. Ich möchte hier nicht einfach ein komplettes Fachbuch nachbauen.

Deshalb kann ich jedem, der sich ernsthaft für das Thema interessiert, nur empfehlen, die Bücher von Michael Voigt selbst zu kaufen und durchzuarbeiten.

Ich glaube kaum, dass solche Bücher anschließend einfach im Regal stehen und Staub sammeln.

Man greift immer wieder hinein.

Man liest eigene Markierungen erneut.

Man schaut sich alte Notizen an.

Man vergleicht eine neue Erfahrung im Chart mit einem Kapitel, das man vielleicht schon vor einem Jahr gelesen hat.

Und plötzlich versteht man einen Absatz vollkommen anders als beim ersten Lesen.

Genau das ist für mich gute Fachliteratur.

Wie ich selbst mit diesen Trading-Notizen lerne

Die Notizen auf AvoraPulse entstehen in erster Linie, weil ich selbst besser lernen möchte.

Mein Ablauf ist inzwischen ziemlich klassisch.

Ich lese zunächst ein Kapitel aus dem Buch.

Währenddessen mache ich meine Notizen tatsächlich noch altmodisch:

mit Kugelschreiber in ein Heft.

Danach lasse ich die Erkenntnisse erst einmal etwas sacken.

Oft gehe ich am Abend oder über Nacht gedanklich verschiedene Charts und Situationen durch.

Ich versuche also nicht, sofort aus jedem neuen Begriff eine Tradingstrategie zu bauen.

Am nächsten Tag nehme ich meine handschriftlichen Notizen wieder zur Hand und schreibe daraus einen wesentlich umfangreicheren Text.

Erst danach kommt KI ins Spiel.

Ich lasse den Text auf:

  • Rechtschreibung,
  • Satzstellung,
  • Fachbegriffe,
  • Unklarheiten
  • und mögliche sinnvolle Ergänzungen

überprüfen.

Der eigentliche Lernprozess passiert also vorher.

Das ergibt mittlerweile mehrere Stufen:

1. Lesen

2. handschriftlich notieren

3. gedanklich verarbeiten

4. selbst ausführlich aufschreiben

5. fachlich und sprachlich überprüfen

6. veröffentlichen

Aber auch danach ist das Thema für mich nicht beendet.

Mit der Zeit werde ich alte Inhalte erneut lesen, neue Bausteine ergänzen, Grafiken hinzufügen, möglicherweise frühere Aussagen korrigieren und eigene Erfahrungen aus dem tatsächlichen Handel ergänzen.

Damit entsteht aus einem einzelnen Kapitel langsam ein eigenes Wissensarchiv.

Für mich selbst zum Lernen.

Und vielleicht irgendwann auch für andere als brauchbarer Ratgeber.

Kostenlos bedeutet nicht automatisch wertlos

Mir ist bewusst, dass kostenlose Inhalte im Internet manchmal weniger seriös wirken als ein Kurs für 3.000 oder 5.000 Euro.

Das ist eigentlich etwas verrückt.

Man nehme dieselben Informationen, packe sie in ein Hochglanzvideo, stelle einen Sportwagen daneben und schreibe:

„Mit dieser Strategie in 30 Tagen zum Trading-Millionär.“

Und plötzlich scheint der Inhalt wertvoller zu sein.

Genau diese Richtung interessiert mich nicht.

Trading ist für mich eine der anspruchsvollsten Tätigkeiten überhaupt.

Man wird nicht durch:

einen Kurs,

einen Coach,

eine Broschüre

oder:

einen einzelnen Indikator

zum erfolgreichen Trader.

Dazu gehören für mich:

Jahre Erfahrung, Fehler, Verluste, Wiederholungen, Marktbeobachtung, Risikomanagement und vernünftige Fachliteratur.

Und wahrscheinlich wird dieser Lernprozess niemals vollständig abgeschlossen sein.

Gerade deshalb halte ich Fachbücher für so wichtig.

Neben deutschsprachigen Autoren gibt es hervorragende Literatur aus den USA. Das ist wenig überraschend, denn mit New York, Chicago, CME, Nasdaq und NYSE befindet sich dort ein großer Teil der modernen Finanzmarkt- und Trading-Infrastruktur.

Ich danke deshalb jedem, der meine Notizen liest.

Kommt gerne später wieder vorbei.

Sehr wahrscheinlich wird derselbe Artikel in einem Jahr mehr Informationen enthalten als heute.

Gilt Voigts Markttechnik nur für Futures?

Michael Voigt verwendet in seinen Büchern sehr häufig Futures als Beispiele.

Damit stellt sich zwangsläufig die Frage:

Funktioniert die gleiche Markttechnik auch bei Aktien, Forex und Kryptowährungen?

Grundsätzlich:

Ja.

Der zentrale Gedanke der Markttechnik ist nicht an einen DAX-Future gebunden.

Strukturen wie:

Trend

Bewegung

Korrektur

Punkt 1, 2 und 3

höhere Hochs und höhere Tiefs

tiefere Hochs und tiefere Tiefs

entstehen überall dort, wo Preise durch Angebot und Nachfrage gebildet werden.

Damit können solche Strukturen grundsätzlich bei:

  • Futures,
  • Aktien,
  • ETFs,
  • Forex,
  • Kryptowährungen,
  • Rohstoffen

beobachtet werden.

Was sich allerdings stark unterscheidet, ist die Marktmikrostruktur.

Und das ist entscheidend.

Futures – wahrscheinlich der sauberste Markt für Markttechnik

Futures besitzen einige Eigenschaften, die sie für markttechnisches Trading besonders interessant machen.

Sie werden an einer zentralen Terminbörse gehandelt.

Beim DAX-Future beispielsweise an der Eurex.

Damit existiert ein zentrales Orderbuch.

Ich kann sehen:

Bid

Ask

Volumen

Orderbuchtiefe

Open Interest

und ausgeführte Transaktionen.

Zusätzlich besitzt jeder Futures-Kontrakt klar definierte Eigenschaften:

Kontraktgröße

Tickgröße

Tickwert

Laufzeit

Margin.

Genau diese Standardisierung macht Futures sehr transparent.

Das erklärt wahrscheinlich auch, warum Voigt so häufig mit Futures arbeitet.

Aktien

Auch Aktien besitzen Trend, Bewegung und Korrektur.

Aber sie bringen einige Besonderheiten mit.

Eine einzelne Aktie kann durch unternehmensspezifische Ereignisse extrem beeinflusst werden.

Zum Beispiel:

Quartalszahlen

Gewinnwarnung

Übernahme

CEO-Wechsel

Kapitalerhöhung

FDA-Entscheidung

oder:

Analystenmeldung.

Dadurch können Kurslücken auftreten, die bei einem breiten Index-Future deutlich seltener durch ein einzelnes Unternehmen ausgelöst werden.

Zusätzlich werden Aktien heute über mehrere Handelsplätze gehandelt.

Die zugrunde liegende markttechnische Logik funktioniert trotzdem.

Ich muss aber stärker auf:

Liquidität, Handelsplatz, Unternehmensnachrichten und Gaps

achten.

Forex

Auch Forex besitzt natürlich Trends und 1-2-3-Strukturen.

Der große Unterschied:

Spot-Forex besitzt kein einziges zentrales Börsenorderbuch.

Der Markt ist dezentral.

Banken, Broker und Liquiditätsanbieter handeln miteinander.

Das bedeutet:

Ein echtes gesamtes EUR/USD-Orderbuch aller weltweiten Marktteilnehmer kann ich nicht einfach öffnen.

Dafür spielt bei Forex die Handelszeit eine besonders große Rolle:

Asien

London

New York.

EUR/USD kann beispielsweise während der europäischen und amerikanischen Handelszeit wesentlich aktiver sein als mitten in der asiatischen Nacht.

Hier würde ich zusätzlich beobachten:

  • Session-Zeiten,
  • Spread,
  • Volatilität,
  • Wirtschaftskalender,
  • Zinsentscheidungen,
  • Arbeitsmarktdaten,
  • Inflationsdaten.

Die Markttechnik bleibt die Grundlage.

Die Instrumente rundherum ändern sich.

Kryptowährungen

Krypto ist noch einmal anders.

Bitcoin handelt:

24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Es gibt keinen klassischen Börsenschluss am Freitagabend.

Dadurch fehlen viele klassische Overnight-Gaps, die wir beispielsweise bei Aktien sehen.

Andererseits existieren:

verschiedene Börsen,

unterschiedliche Liquidität,

sehr hoher Hebel bei Derivaten

und:

Liquidationen.

Gerade die Liquidationen gehebelter Positionen können kurzfristig enorme Bewegungen erzeugen.

Deshalb würde ich bei Krypto zusätzlich auf:

  • Funding Rates,
  • Open Interest,
  • Liquidationen,
  • Futures Basis,
  • Börsenliquidität

achten.

Auch hier funktioniert die Marktstruktur.

Aber die Kräfte hinter den Bewegungen unterscheiden sich teilweise.

Nicht das Werkzeug bestimmt den Markt

Eine wichtige Erkenntnis daraus:

Es gibt nicht für jeden Markt eine komplett neue technische Analyse.

Die Grundstruktur bleibt ähnlich.

Was sich ändert, sind die zusätzlichen Werkzeuge.

MarktBesonders wichtige Ergänzungen
FuturesOrderbuch, Open Interest, Volumen, Kontraktdaten
AktienUnternehmensnews, Gaps, Volumen, Handelsplatz
ForexSessions, Makrodaten, Zinsen, Spread
KryptoFunding, Liquidationen, Open Interest, 24/7-Markt

Damit sollte man nicht versuchen, dieselbe Strategie blind auf jeden Markt zu übertragen.

Die Sprache des Charts ist ähnlich.

Der Marktmechanismus dahinter ist teilweise vollkommen unterschiedlich.

Welche Zeiteinheit ist die beste?

Eine der Fragen, die sich jeder Trader irgendwann stellt:

Soll ich auf einem Tick-Chart handeln oder reicht ein Tageschart?

Die richtige Antwort lautet:

Es gibt keine grundsätzlich beste Zeiteinheit.

Die Zeiteinheit muss zu:

Markt

Strategie

Tradingstil

und:

verfügbarem Zeitaufwand

passen.

Ein Daytrader kann nicht nur mit Wochencharts arbeiten.

Ein langfristiger Anleger braucht dagegen wahrscheinlich keinen Tick-Chart.

Die übergeordnete Zeiteinheit

Voigts Ansatz macht für mich an diesem Punkt besonders viel Sinn:

Ich sollte nicht ausschließlich meine eigentliche Handelszeiteinheit beobachten.

Ich brauche einen größeren Zusammenhang.

Eine praktische Kombination kann beispielsweise sein:

Tick-Chart → 10-Minuten-Chart

10-Minuten-Chart → 60-Minuten-Chart

60-Minuten-Chart → Tageschart

Tageschart → Wochenchart

Das ist keine starre mathematische Regel.

Die Logik dahinter ist entscheidend.

Die kleinere Zeiteinheit zeigt mir den Einstieg.
Die größere Zeiteinheit zeigt mir, worin ich eigentlich einsteige.

Warum der Tageschart nicht automatisch besser ist

Ein Tageschart hat einen großen Vorteil:

Sehr viel kurzfristiges Marktrauschen verschwindet.

Dadurch sehen Trends oft sauberer aus.

Der Nachteil:

Der Stop kann deutlich weiter entfernt liegen.

Beim Daytrading wäre das häufig unpraktisch.

In einer sehr kleinen Zeiteinheit passiert dagegen das Gegenteil.

Viele Einstiegsmöglichkeiten.

Viele Bewegungen.

Aber auch:

mehr Noise

mehr Fehlsignale

mehr Trades

mehr Spreadkosten

mehr psychologischer Stress.

Je kleiner meine Zeiteinheit wird, desto größer wird deshalb die Bedeutung von:

Liquidität + Ausführung + Kosten + Geschwindigkeit.

Was bedeutet ein „hochwertiger Markt“?

Dieser Begriff muss etwas vorsichtig verwendet werden.

Wenn Voigt von hochwertigen beziehungsweise für seine Strategie besonders geeigneten Märkten spricht, sollte das nicht automatisch als allgemeine Aussage verstanden werden:

DAX gut – EURO STOXX schlecht.

In der heutigen Marktstruktur würde ich einen guten Tradingmarkt anhand mehrerer Eigenschaften beurteilen:

hohe Liquidität

enger Spread

ausreichende Bewegung

gute Orderbuchtiefe

saubere Ausführbarkeit

und:

passender Geldwert der Bewegung.

Das letzte Element ist interessant.

Warum der DAX-Future pro Punkt mehr bewegt

Der klassische DAX-Future FDAX besitzt aktuell einen Kontraktwert von:

25 € pro DAX-Punkt.

Eine Bewegung um:

10 Punkte

entspricht damit:

250 € pro Kontrakt.

Die Eurex weist genau diesen Kontraktmultiplikator von 25 € pro Indexpunkt aus.

Beim klassischen EURO-STOXX-50-Future FESX beträgt der Wert dagegen:

10 € pro Indexpunkt.

Zehn Punkte entsprechen also:

100 €.

Damit ist klar, was mit:

„Mehr Gewinn pro Punkt“

gemeint sein kann.

Aber:

Mehr Gewinn pro Punkt bedeutet genauso mehr Verlust pro Punkt.

Das darf man niemals vergessen.

DAX-Future ist nicht automatisch „besser“

Eine Bewegung von 20 Punkten bedeutet beim FDAX:

500 €.

Beim FESX:

200 €.

Aber daraus folgt nicht:

DAX ist 2,5-mal besser.

Denn gleichzeitig verändern sich:

Risiko

Margin

Volatilität

Stop-Abstand

und:

Positionsgröße.

Heute existieren außerdem Mini- und Micro-DAX-Futures.

Eurex bietet:

FDAX → 25 €/Punkt

Mini-DAX FDXM → 5 €/Punkt

Micro-DAX FDXS → 1 €/Punkt.

Damit lässt sich das Risiko heute erheblich feiner steuern als früher.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum man ältere Tradingliteratur zwar sehr ernst nehmen, konkrete Markt- und Produktangaben aber gelegentlich auf den heutigen Stand überprüfen sollte.

Welche Futures-Plattform ist sinnvoll?

Futures benötigen keine mysteriöse Spezialbörse für Privatpersonen.

Man benötigt einen Broker mit Zugang zur entsprechenden Terminbörse.

Interactive Brokers

Interactive Brokers ist dafür durchaus geeignet.

IBKR bietet Futures über mehr als 30 Börsenplätze weltweit an und deckt unter anderem:

  • Aktienindizes,
  • Zinsen,
  • Währungen,
  • Rohstoffe,
  • Kryptoderivate,
  • Mini- und Micro-Futures

ab.

Dazu kommt die Trader Workstation mit professionellen Ordertypen, SpreadTrader und weiteren Futures-Werkzeugen.

Für jemanden, der viele internationale Märkte handeln möchte, ist IBKR deshalb sehr interessant.

Swissquote

Auch Swissquote bietet echten Futures-Handel.

Dazu gehören unter anderem Futures an:

Eurex

und verschiedenen amerikanischen Terminbörsen.

Swissquote listet beispielsweise FDAX, Mini-DAX, Micro-DAX, FESX und Micro-EURO-STOXX-50 direkt im Futures-Angebot.

Auch CME-, NYMEX- und COMEX-Produkte werden angeboten.

Damit ist Swissquote grundsätzlich ebenfalls geeignet.

Comdirect

Auch Comdirect ermöglicht mittlerweile den direkten Futures- und Optionshandel an der Eurex.

Dafür gibt es einen eigenen browserbasierten O&F-Trader mit:

  • Realtimekursen,
  • Marginberechnung,
  • Positionsübersicht,
  • Orderbuch
  • und Kontraktsuche.

Damit kann man auch dort echte Futures handeln.

Wann braucht man eine spezialisierte Futures-Plattform?

Für normales Futures-Trading reichen solche Broker grundsätzlich.

Wer allerdings sehr kurzfristig arbeitet und intensiv:

DOM

Order Flow

Footprint

Heatmap

oder:

automatisierte Strategien

nutzen möchte, landet häufig bei spezialisierten Tradingplattformen.

Dann geht es weniger darum:

Kann der Broker den Future kaufen?

sondern:

Wie schnell und detailliert kann ich den Markt analysieren und Orders verwalten?

Das ist eine andere Frage.

Für mein aktuelles Lernen halte ich aber einen soliden Börsenzugang und gute Marktdaten zunächst für wesentlich wichtiger als 50 blinkende Orderflow-Tools.

Was sind Terminpositionen in Anleihen?

Damit sind normalerweise Zins- beziehungsweise Anleihefutures gemeint.

Ein bekanntes europäisches Beispiel ist der:

Euro-Bund-Future.

Er gehört zu den Zinsfutures der Eurex und besitzt ein sehr großes Open Interest.

Vereinfacht gilt:

Anleihekurs steigt → Rendite fällt

und:

Anleihekurs fällt → Rendite steigt.

Eine Longposition im Bund-Future profitiert deshalb grundsätzlich von einem steigenden Futureskurs beziehungsweise typischerweise von fallenden langfristigen Renditen.

Warum sollte man Anleihefutures über das Wochenende Long halten?

Hier würde ich eine wichtige Korrektur zu einer möglichen Interpretation machen:

Es gibt keine allgemeine Regel, nach der man Anleihefutures am Wochenende Long halten sollte.

Es gibt allerdings einen nachvollziehbaren Gedanken dahinter.

Bei geopolitischen Krisen oder starken Risk-off-Bewegungen fließt Kapital häufig in Staatsanleihen hoher Bonität.

Dann können deren Kurse steigen.

Eine Longposition könnte davon profitieren.

Aber genauso kann am Wochenende eine Nachricht erscheinen, die:

Inflationserwartungen erhöht

oder:

Zinserwartungen verändert.

Dann können Anleihekurse am Montag deutlich niedriger eröffnen.

Damit entsteht:

Gap-Risiko.

Ein Futures-Stop schützt mich während einer geschlossenen Börse nicht vor einem Sprung zum nächsten handelbaren Kurs.

Das gilt nicht nur für Anleihen.

Welche Positionen sollte man am Freitag eher schließen?

Wenn ich Daytrader bin, ist die Antwort eigentlich klar:

Meine Positionen gehören grundsätzlich am Ende meines Handelstages geschlossen.

Sonst bin ich kein reiner Daytrader mehr, sondern trage Overnight-Risiko.

Besonders vorsichtig wäre ich mit:

  • stark gehebelten Futures,
  • illiquiden Positionen,
  • kurzfristigen Optionen,
  • Einzelaktien vor wichtigen Wochenendereignissen,
  • Positionen mit sehr engem Stop,
  • sehr großen Forex-Hebeln.

Bei Kryptowährungen gibt es keinen klassischen Wochenend-Börsenschluss.

Der Spotmarkt handelt weiter.

Das bedeutet aber nicht automatisch weniger Risiko.

Im Gegenteil:

An Wochenenden kann die Liquidität geringer sein.

Bei klassischen Kryptofutures mit Handelsunterbrechungen konnte dadurch historisch sogar ein erheblicher Gap zwischen Spotmarkt und wiedereröffnetem Future entstehen. CME beschreibt dieses Wochenend-Gap-Risiko ausdrücklich.

Für langfristige Aktien- oder ETF-Investments ist dagegen ein pauschales:

Freitags verkaufen.

natürlich unsinnig.

Auch hier entscheidet wieder:

Strategie vor Instrument.

Warum ein Tradingtagebuch so wichtig ist

Mit den beiden Buchseiten kommt jetzt ein Punkt hinzu, den ich vorher wahrscheinlich unterschätzt hätte:

Das Tradingtagebuch.

Viele Anfänger verstehen darunter nur:

Montag: DAX gekauft, 100 € Gewinn.

Das ist aber eigentlich fast wertlos.

Der Broker kennt meine Trades sowieso.

Das Tagebuch sollte mir Informationen liefern, die der Broker nicht kennt.

Was sollte ins Tradingtagebuch?

Zum Beispiel:

Markt

Datum und Uhrzeit

Zeiteinheit

Tradingstrategie

Trend?

Bewegung?

Ausbruch?

Setup

Warum interessiert mich dieser Markt?

Trigger

Warum genau jetzt?

Einstieg

Initial Stop

Initial Risk

Kursziel

Positionsgröße

übergeordneter Trend

wichtige Tageslinien

Screenshot vor dem Trade

und anschließend:

Screenshot nach dem Trade.

Aber noch interessanter werden persönliche Informationen.

War ich:

ruhig?

ungeduldig?

ängstlich?

gierig?

Habe ich einen Verlust zurückholen wollen?

Habe ich meinen Stop verändert?

Habe ich meinen eigenen Plan eingehalten?

Warum ein Tagebuch auch nach Jahren noch sinnvoll ist

Ein Trader kann sich sehr leicht selbst täuschen.

Er denkt beispielsweise:

Meine Breakouts funktionieren hervorragend.

Nach 100 dokumentierten Trades stellt er vielleicht fest:

Breakout:

42 % Trefferquote

Bewegungshandel:

61 %.

Oder:

Seine Trades zwischen 9:00 und 11:00 Uhr funktionieren hervorragend.

Seine Trades am Nachmittag verlieren dagegen regelmäßig Geld.

Oder:

Die Strategie funktioniert.

Aber er zerstört sie jedes Mal, wenn zwei Trades hintereinander verloren gehen und anschließend die Positionsgröße erhöht wird.

Ohne Daten sind das nur Gefühle.

Mit einem Tagebuch wird daraus:

eine überprüfbare Information.

Wissenschaftliche Untersuchungen professioneller Händler zeigen zumindest, wie wichtig Erfahrung, strategische Einschätzung und disziplinierte Ausstiegsentscheidungen für professionelles Trading sind. Die New York Fed fand beispielsweise bei professionellen Tradern eine deutlich ausgeprägtere strategische Sophistication als bei unerfahrenen Vergleichspersonen; andere Studien zeigen die Bedeutung disziplinierter Exit-Regeln.

Ob das Führen eines Tagebuchs allein jemanden profitabel macht, ist wissenschaftlich wesentlich schwieriger zu beweisen.

Für mich ist aber die Logik klar:

Ohne Dokumentation kann ich meine eigenen Entscheidungen kaum systematisch auswerten.

Der größte Wert entsteht nach dem Trade

Das finde ich an Voigts Merkblatt besonders interessant.

Die Vorbereitung endet nicht mit dem Trade.

Nach Handelsschluss soll der Trader erneut auf den Chart schauen.

Jetzt kennt er die komplette Bewegung.

Er kann fragen:

War mein Einstieg wirklich sinnvoll?

War mein Stop richtig?

Habe ich meinen Plan eingehalten?

Wäre der Trade ohne meine emotionale Reaktion besser gelaufen?

Besonders wichtig:

Ein profitabler Trade kann schlecht gehandelt worden sein.

Und:

Ein Verlusttrade kann perfekt gehandelt worden sein.

Das ist wahrscheinlich eine der wichtigsten Lektionen überhaupt.

Beispiel: guter Verlusttrade

Meine Strategie sagt:

Long bei Punkt 3.

Stop unter dem relevanten Tief.

Ich steige korrekt ein.

Der Markt dreht plötzlich.

Stop wird ausgelöst.

–200 €.

Das Ergebnis ist negativ.

Aber meine Durchführung war richtig.

Beispiel: schlechter Gewinntrade

Ich sehe irgendeine steigende Aktie.

Keine Analyse.

Kein Stop.

Ich springe hinterher.

Der Markt steigt zufällig weiter.

+500 €.

Das Ergebnis ist positiv.

Aber der Trade war schlecht.

Wenn ich nur meine Gewinne und Verluste bewerte, lerne ich daraus:

Trade 1 schlecht.

Trade 2 gut.

Genau das wäre vollkommen falsch.

Das Tagebuch soll deshalb die:

Qualität der Entscheidung

und nicht nur das finanzielle Ergebnis bewerten.

Merkblatt für Trading

Aus den beiden Seiten aus Michael Voigts Buch habe ich mir ein eigenes, etwas erweitertes Merkblatt zusammengestellt.

Es soll nicht einfach eine Checkliste zum Abhaken sein.

Es soll verhindern, dass ich während des Tradings den gesamten Zusammenhang aus den Augen verliere.

VOR DEM TRADE

1. Zuerst den großen Chart ansehen

Bevor ich auf einen 5-Minuten-Chart springe:

Was macht die übergeordnete Zeiteinheit?

Trend?

Korrektur?

Bewegung?

Seitwärtsstruktur?

2. Danach in meine Handelszeiteinheit wechseln

Erst jetzt suche ich den konkreten Einstieg.

Damit verhindere ich, dass ich eine kleine Bewegung ohne übergeordneten Kontext handle.

3. Handle ich mit oder gegen die größere Struktur?

Trade ich gegen den übergeordneten Trend, muss mir bewusst sein:

Das Risiko verändert sich.

Mein Ziel kann kleiner werden.

Mein Stop muss besonders diszipliniert behandelt werden.

4. Tageslinien einzeichnen

Mindestens:

Vortageshoch

Vortagestief

Vortagesschluss

aktuelle Eröffnung.

Diese Preise werden von sehr vielen Marktteilnehmern gesehen.

5. Innen- und Außenstäbe überprüfen

Liege ich gerade innerhalb eines Außenstabs?

Dann kann die einzelne Kerze wesentlich weniger Aussagekraft besitzen, als sie optisch vermittelt.

6. Marktstruktur suchen

Gibt es:

1-2-3-Trend?

klaren Punkt 2?

Korrektur?

Umkehrstab?

Tageslinien-Signal?

Trendlinienbruch?

offenes Einstiegssignal?

Nicht jedes davon muss gleichzeitig vorhanden sein.

Ich muss aber wissen, welches Signal ich eigentlich handeln möchte.

7. Pivot-Bereiche kontrollieren

Liegt ein Pivot direkt in der Nähe meines Einstiegs?

Oder befindet sich dort eine wichtige Unterstützung beziehungsweise ein Widerstand?

8. Zwei Zeiteinheiten vergleichen

Liegen auf kleiner und großer Zeiteinheit interessante Punkte im gleichen Bereich?

Dann entsteht möglicherweise:

Confluence.

9. Bewegung oder Korrektur?

Die entscheidende Frage:

Ist die Bewegung in meiner Handelszeiteinheit vielleicht nur eine Korrektur des größeren Charts?

Damit kann sich die gesamte Strategie verändern.

10. Einstieg festlegen

Jetzt entscheide ich:

sofort einsteigen

oder:

Bestätigung abwarten.

Gegebenenfalls kann eine Stop-Buy- beziehungsweise Stop-Sell-Order bereits vorbereitet werden.

11. Ziel des Trades definieren

Noch vor dem Einstieg:

Was möchte ich überhaupt handeln?

Ausbruch?

eine Bewegung?

oder:

den vollständigen Trend?

Denn genau davon hängen später:

Stop und Ausstieg

ab.

WÄHREND DES TRADES

Jetzt darf die Strategie nicht plötzlich geändert werden, nur weil der Kurs gegen mich läuft.

Ausbruchshandel

Der Ausbruch benötigt normalerweise eine relativ klare Ungültigkeitszone.

Scheitert der Ausbruch deutlich, sollte der Trader nicht plötzlich sagen:

Dann mache ich eben einen langfristigen Trendtrade daraus.

Bewegungshandel

Hier arbeitet man stärker mit einem nachlaufenden Stop.

Innenstäbe verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil ein zu aggressives Stop-Nachziehen innerhalb eines Außenstabs schnell zum unnötigen Ausstieg führen kann.

Trendhandel

Beim vollständigen Trend bekommt der Markt mehr Raum.

Der Stop orientiert sich stärker an der fortlaufenden:

1-2-3-Struktur.

Gegensignale beachten

Entsteht ein klares Gegensignal, muss ich meine ursprüngliche Position überprüfen.

In Voigts Systematik werden Umkehrstäbe dabei gesondert behandelt.

Wichtig ist für mich:

Nicht aus Hoffnung an einer Position festhalten, wenn meine ursprüngliche Marktstruktur nicht mehr existiert.

Positionsdrehung

Eine interessante fortgeschrittene Überlegung:

Wenn mein ursprüngliches Signal scheitert und gleichzeitig ein starkes Signal in die Gegenrichtung entsteht, kann eventuell eine:

Positionsdrehung

interessant sein.

Aus:

Long

wird:

Short.

Das sollte aber keinesfalls eine emotionale Reaktion nach dem Motto:

Mein Long war falsch, also muss Short richtig sein.

werden.

Auch die Gegenposition braucht ein vollständiges eigenes Setup.

Mögliche Zielbereiche während des Trades

Während des Trades sollte ich auf wichtige Bereiche achten:

Punkt 2 und Punkt 3 größerer Zeiteinheiten

Tageslinien

größere Unterstützungen

größere Widerstände

Trendlinien

Pivot-Bereiche.

Diese Zonen können:

Ziele

oder:

mögliche neue Reaktionsbereiche

darstellen.

Teilpositionen

Nicht jede Position muss vollständig an einem einzigen Punkt geschlossen werden.

Eine Möglichkeit:

Einen Teilgewinn realisieren.

Den Rest weiterlaufen lassen.

Damit kann man beispielsweise:

Bewegung + Trend

kombinieren.

Ein Teil wird am Bewegungsziel geschlossen.

Ein zweiter Teil versucht, einen größeren Trend mitzunehmen.

Das muss allerdings bereits Teil der Strategie sein und darf nicht spontan aus Angst entstehen.

NACH DEM TRADE

Jetzt beginnt wahrscheinlich der wichtigste Teil des Lernens.

Trade auswerten

Nicht nur:

Gewinn oder Verlust?

Sondern:

Warum habe ich gehandelt?

Habe ich korrekt gehandelt?

Das ist die entscheidende Frage.

Nicht:

Habe ich Geld verdient?

Sondern:

Habe ich meine Regeln eingehalten?

Vollständigen Chart später erneut ansehen

Nach Handelsschluss kann ich den gesamten Chart betrachten.

Ich sehe jetzt Dinge, die während des Trades noch nicht sichtbar waren.

Dadurch kann ich meinen Einstieg und Ausstieg wesentlich objektiver analysieren.

Hat die gestrige Auswertung heute etwas verändert?

Diese Frage aus dem Merkblatt finde ich besonders gut.

Wenn ich gestern einen Fehler erkannt habe:

Habe ich ihn heute vermieden?

Wenn nicht:

Warum nicht?

Sonst schreibe ich zwar ein Tagebuch, lerne aber nichts daraus.

Entwickelt sich mein eigener Tradingstil?

Mit genügend Trades sollte langsam sichtbar werden:

Welche Märkte liegen mir?

Welche Zeiteinheiten?

Trend?

Bewegung?

Ausbruch?

Welche Uhrzeiten?

Welche Stopstrategie?

Genau darum geht es letztendlich.

Nicht irgendeinen fremden Trader vollständig zu kopieren.

Sondern über eine fachliche Grundlage langsam:

den eigenen Tradingstil zu entwickeln.

Was ich aus diesem Kapitel mitnehme

Ich glaube, dass viele Tradinganfänger viel zu früh nach:

„dem besten Einstieg“

suchen.

Dabei kommen vorher viel wichtigere Fragen.

Welchen Markt handle ich?

Welche Zeiteinheit?

Was macht die größere Zeiteinheit?

Wie liquide ist der Markt?

Trade ich Trend, Bewegung oder Ausbruch?

Wo liegt mein Stop?

Wo ist mein Ziel?

Wie groß ist mein Risiko?

Und danach:

Was habe ich aus dem letzten Trade gelernt?

Genau deshalb gefällt mir die Idee des Tradingtagebuchs inzwischen immer besser.

Denn ein Tagebuch zwingt mich dazu, meine eigene Geschichte nicht nachträglich umzuschreiben.

Im Kopf kann ich nach einem Verlust immer sagen:

„Eigentlich wusste ich, dass der Markt fallen würde.“

Im Tagebuch steht aber vielleicht:

„Long aufgrund Ausbruch.“

Schwarz auf weiß.

Und plötzlich kann man sich nicht mehr selbst belügen.

Für mich gehört deshalb inzwischen zu professionellem Trading nicht nur:

Chartanalyse.

Sondern:

Vorbereiten → planen → handeln → dokumentieren → auswerten → verbessern.

Und dann am nächsten Tag wieder von vorne.

Genau dieser Kreislauf dürfte langfristig wesentlich wertvoller sein als die Suche nach irgendeinem geheimen Indikator, der angeblich immer weiß, was der Markt als Nächstes macht.

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