Trading Notizen 8 – Innenstäbe richtig verstehen

Je mehr ich mich mit den Basics des Tradings beschäftige, desto mehr spannende Antworten und Erkenntnisse kommen auf.

Viele Fragen, die mir früher kein angeblicher „Finanzexperte“ oder „Profi-Trader“ vernünftig beantworten konnte, finde ich nach und nach in der Fachliteratur. Besonders das Buch von Michael Voigt hat bei mir inzwischen einige Fragezeichen im Kopf aufgelöst.

Genau deshalb möchte ich diesen Weg weitergehen.

Nicht irgendwelche schnellen Trading-Tipps sammeln, sondern Stück für Stück verstehen, wie ein Markt tatsächlich aufgebaut ist und warum sich ein Kurs so bewegt, wie er sich bewegt.

Mein Wissen möchte ich dabei nicht nur aus einem einzigen Buch aufbauen. Weitere Fachbücher werden folgen, darunter auch Literatur, die im Studium und in der akademischen Ausbildung verwendet wird.

Diesmal geht es um ein Thema, das zunächst ziemlich unscheinbar aussieht:

Innenstäbe und Außenstäbe.

Was auf den ersten Blick nur wie ein paar Kerzen im Chart aussieht, hat besonders für die Beurteilung einer laufenden Bewegung und für die Stoppsetzung eine wichtige Bedeutung.

Was sind Innenstäbe?

Innenstäbe definieren die Lage mehrerer Bars zueinander.

Ein einzelner Bar besteht grundsätzlich aus:

  • Hochkurs,
  • Tiefkurs,
  • Eröffnungskurs,
  • Schlusskurs.

Entscheidend ist aber nicht nur der einzelne Bar.

Interessant wird es, wenn wir mehrere Bars miteinander vergleichen.

Ein größerer beziehungsweise maßgeblicher Bar kann zum Außenstab werden. Die nachfolgenden Bars können anschließend als Innenstäbe zu diesem Außenstab gehören.

Dabei muss man einen wichtigen Punkt verstehen:

Bei der markttechnischen Definition nach Michael Voigt bedeutet ein Innenstab nicht, dass zwangsläufig die komplette Hoch-Tief-Spanne der neuen Kerze innerhalb des Außenstabs bleiben muss.

Entscheidend ist insbesondere, dass der Schlusskurs innerhalb der Hoch-Tief-Spanne des maßgeblichen Außenstabs liegt.

Das Hoch eines Innenstabs darf also zwischenzeitlich über das Hoch des Außenstabs steigen.

Genauso kann sein Tief unter das Tief des Außenstabs fallen.

Schließt dieser Bar anschließend trotzdem wieder innerhalb der maßgeblichen Hoch-Tief-Spanne, kann er weiterhin als Innenstab gelten.

Das ist wichtig, weil im Internet unter dem englischen Begriff Inside Bar häufig eine andere Definition verwendet wird. Dort wird oftmals verlangt, dass die gesamte Hoch-Tief-Spanne der nachfolgenden Kerze innerhalb der sogenannten Mother Bar liegt.

Für meine Notizen orientiere ich mich hier aber an der markttechnischen Betrachtung nach Michael Voigt.

Was ist der Außenstab?

Der Außenstab ist der Bar, dessen Hoch-Tief-Spanne für die nachfolgenden Innenstäbe maßgeblich wird.

Man kann es sich wie einen großen Rahmen vorstellen.

Der Markt hat zunächst eine größere Bewegung gemacht.

Danach entstehen mehrere neue Bars.

Solange deren Schlusskurse innerhalb dieses Rahmens bleiben, befinden wir uns weiterhin im Bereich des Außenstabs.

Dabei können auf einen Außenstab nicht nur ein, sondern mehrere Innenstäbe hintereinander folgen.

Genau das macht das Thema so interessant.

Denn wenn ich nur auf die jeweils letzte Kerze schaue, kann das Bild ziemlich chaotisch aussehen:

Ein grüner Bar.

Danach ein roter.

Dann wieder ein grüner.

Dann ein Doji.

Danach ein Bar mit einem längeren Ausschlag nach unten.

Wenn ich jeden einzelnen dieser Bars isoliert interpretiere, könnte ich ständig meine Meinung ändern:

Jetzt steigt der Markt.

Nein, jetzt fällt er.

Vielleicht kommt die Trendwende.

Jetzt steigt er doch wieder.

Genau hier hilft der Außenstab.

Er gibt dieser scheinbar chaotischen Bewegung einen übergeordneten Rahmen.

Was passiert innerhalb eines Außenstabs?

Diese Frage finde ich besonders interessant.

Denn der Markt hört innerhalb eines Außenstabs natürlich nicht plötzlich auf zu handeln.

Es werden weiterhin permanent:

Aktien gekauft, Aktien verkauft, Positionen eröffnet, Positionen geschlossen, Stops ausgelöst und Gewinne mitgenommen.

Auf unserer gewählten Zeiteinheit sieht dieses ganze Geschehen aber möglicherweise nur nach einigen Innenstäben aus.

Der Grund liegt in den unterschiedlichen Zeiteinheiten des Marktes.

Angenommen, ich betrachte einen Tageschart.

Innerhalb eines einzelnen Tages können auf dem:

60-Minuten-Chart,

15-Minuten-Chart

oder:

5-Minuten-Chart

mehrere vollständige kleinere Trends entstehen.

Der Markt kann dort steigen, korrigieren, wieder fallen und anschließend erneut steigen.

Im Tageschart wird diese ganze Bewegung am Ende aber nur zu einem einzigen Bar zusammengefasst.

Genau deshalb können Innenstäbe als Ausdruck von Bewegungen und Korrekturen auf einer kleineren Zeiteinheit verstanden werden.

Die große Zeiteinheit „verschluckt“ gewissermaßen viele kleinere Bewegungen.

Das erklärt auch, warum ein einzelner Innenstab im übergeordneten Chart häufig wesentlich weniger Aussagekraft besitzt, als man zunächst denkt.

Warum der einzelne Bar plötzlich weniger wichtig wird

Nehmen wir an, ich bin bereits Long positioniert.

Der übergeordnete Aufwärtstrend ist intakt.

Jetzt erscheint ein roter Innenstab.

Wenn ich nur diesen einen Bar sehe, könnte ich denken:

Der Markt fällt. Ich muss raus.

Am nächsten Tag erscheint vielleicht wieder ein grüner Innenstab.

Dann denke ich:

Der Markt steigt doch weiter.

Einen Tag später wieder rot.

Wer auf diese Weise jeden einzelnen Bar interpretiert, wird vom kurzfristigen Marktrauschen ständig hin und her gezogen.

Genau deshalb bekommt beim Auftreten von Innenstäben der maßgebliche Außenstab eine größere Bedeutung.

Der einzelne Innenstab wird nicht vollkommen unwichtig. Aber ich darf ihn nicht isoliert betrachten und daraus sofort einen kompletten Trendwechsel ableiten.

Das ist für mich wahrscheinlich eine der wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Kapitel:

Nicht jede rote Kerze bedeutet, dass ein Aufwärtstrend beendet ist. Und nicht jede grüne Kerze bedeutet, dass ein Abwärtstrend beendet wurde.

Die Struktur dahinter ist wichtiger.

Innenstäbe können über Hoch und Tief des Außenstabs hinauslaufen

Dieser Punkt hat mich zunächst besonders überrascht.

Ein Innenstab kann zeitweise oberhalb des Hochs oder unterhalb des Tiefs des Außenstabs gehandelt werden und trotzdem wieder innerhalb der Spanne schließen. Genau darin unterscheidet sich die Voigt-Definition von vielen klassischen Candlestick-Definitionen.

Angenommen, der Außenstab besitzt:

Hoch: 105 €

Tief: 95 €

Der Markt steigt am nächsten Tag kurzfristig auf:

106 €

Am Tagesende fällt er jedoch zurück und schließt bei:

103 €

Damit wurde das Hoch des Außenstabs intraday überschritten.

Aber der Schlusskurs liegt wieder innerhalb der ursprünglichen Spanne von 95 bis 105 €.

Für die markttechnische Betrachtung kann dieser Bar weiterhin zum Innenstab-Bereich gehören.

Das zeigt sehr schön:

Ein kurzes Überschreiten einer Grenze ist noch nicht automatisch ein nachhaltiger Ausbruch.

Das gleiche funktioniert auf der Unterseite.

Der Kurs kann kurz unter das Tief des Außenstabs laufen und anschließend wieder innerhalb der Spanne schließen.

Genau solche Bewegungen können Trader leicht zu voreiligen Entscheidungen verleiten.


Der Markt testet die Grenzen

Innerhalb eines Außenstabs passiert also durchaus einiges.

Käufer versuchen möglicherweise, den Kurs über das Hoch zu treiben.

Verkäufer drücken ihn anschließend wieder zurück.

Oder Verkäufer drücken den Kurs zunächst unter das Tief, finden dort aber keine ausreichende Anschlussbewegung.

Käufer übernehmen wieder und der Markt kehrt zurück.

Damit sieht man etwas, was zu unseren vorherigen Trading-Notizen sehr gut passt:

Kursbewegung entsteht durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.

Ein kurzes Überschreiten des Außenstabs zeigt mir lediglich, dass dort gehandelt wurde.

Es beweist noch nicht, dass sich eine neue Marktstruktur etabliert hat.

Gerade deshalb ist der Schlusskurs interessant.

Er zeigt, wo sich der Markt am Ende der betrachteten Periode tatsächlich eingependelt hat.

Drei typische Merkmale von Innenstäben

Bei Innenstäben fallen besonders drei Eigenschaften auf.

1. Die Grenzen des Außenstabs können überschritten werden

Der Markt kann das Hoch oder Tief des Außenstabs zeitweise überschreiten.

Anschließend fällt oder steigt er aber wieder zurück und schließt innerhalb der maßgeblichen Spanne.

Für einen Trader kann das wie ein Ausbruch aussehen.

Wer sofort hinterherspringt, kann anschließend feststellen, dass der vermeintliche Ausbruch überhaupt nicht bestätigt wurde.

Genau hier können Fehltrades entstehen.

2. Die Richtung wechselt ständig

Innerhalb einer Folge von Innenstäben wechseln steigende und fallende Perioden häufig miteinander ab.

Es kann beispielsweise aussehen wie:

steigend → fallend → Doji → steigend → fallend.

Der Markt vermittelt dadurch kurzfristig ständig unterschiedliche Signale.

Genau das kann einen Trader nervös machen.

Besonders ein Anfänger neigt schnell dazu, jede neue Kerze als neue Information über den gesamten Trend zu interpretieren.

Dabei kann es sich lediglich um kleinere Bewegungen innerhalb des weiterhin maßgeblichen Außenstabs handeln.

3. Die Volatilität kann mit zunehmenden Innenstäben abnehmen

Bei mehreren aufeinanderfolgenden Innenstäben fällt häufig auf, dass die einzelnen Bewegungen kleiner werden.

Der Markt beruhigt sich.

Die Bars werden enger.

Die kurzfristige Volatilität nimmt ab.

Man kann sich das wie eine zunehmende Kompression des Marktes vorstellen.

Aber auch hier würde ich vorsichtig mit der Aussage sein:

Danach muss ein großer Ausbruch kommen.

Nein.

Die abnehmende Volatilität zeigt zunächst lediglich, dass die einzelnen Bewegungen kleiner werden.

Wann und in welche Richtung anschließend eine stärkere Bewegung entsteht, ist damit noch nicht entschieden.

Innenstäbe sind keine klassische Seitwärtsphase

Ein weiterer wichtiger Punkt:

Innenstäbe sollte man nicht automatisch mit einer normalen Seitwärtsphase gleichsetzen.

Optisch kann es zwar so aussehen.

Der Kurs bewegt sich mehrere Perioden innerhalb eines größeren Bereichs und kommt scheinbar nicht vom Fleck.

Markttechnisch können dahinter aber kleinere Trends und Korrekturen auf untergeordneten Zeiteinheiten stattfinden.

Genau deshalb liefern Innenstäbe für sich alleine auch keine zuverlässige Aussage darüber, ob der übergeordnete Markt steigt, fällt oder seitwärts läuft.

Zuerst muss der eigentliche Trend betrachtet werden.

Das finde ich wichtig, weil man sonst schnell den Fehler macht:

Viele Innenstäbe = Seitwärtstrend.

So einfach ist es nicht.

Der übergeordnete Chart kann weiterhin einen vollkommen intakten Aufwärtstrend besitzen, während innerhalb einer Korrektur mehrere Innenstäbe auftreten.

Warum Innenstäbe für bereits positionierte Trader wichtig sind

Jetzt kommt für mich der wahrscheinlich wichtigste praktische Nutzen.

Angenommen, ich bin bereits in einem Trade.

Die Position läuft in meine Richtung.

Dann entstehen Innenstäbe.

Was mache ich?

Die falsche Reaktion wäre:

Roter Innenstab – verkaufen.

Oder:

Der letzte Bar sieht schlecht aus – raus.

Wenn der übergeordnete Trend weiterhin intakt ist, muss ein Innenstab noch keinen Grund darstellen, eine Position zu schließen.

Besonders im Bewegungshandel spielen Innenstäbe bei der Stoppsetzung eine wichtige Rolle, weil ein zu aggressives Nachziehen des Stops dazu führen kann, dass der Trader durch eine untergeordnete Korrektur aus einer eigentlich noch funktionierenden Bewegung herausgeworfen wird. Genau dieser Zusammenhang wird auch in Voigts Arbeitsbuch ausführlich behandelt.

Damit verbindet sich dieses Kapitel direkt mit meinen vorherigen Notizen über Stops.

Ein Stop sollte nicht einfach deshalb verändert werden, weil der letzte Bar rot oder grün geworden ist.

Die Frage lautet vielmehr:

Hat sich die für meinen Trade relevante Marktstruktur tatsächlich verändert?

Warum Innenstäbe vor einem neuen Einstieg problematisch sein können

Anders sieht die Sache aus, wenn ich noch gar nicht positioniert bin.

Wenn sich mehrere Innenstäbe innerhalb eines Außenstabs bilden, bekomme ich auf dieser Zeiteinheit möglicherweise keine saubere Bewegung.

Der Markt wechselt ständig die kurzfristige Richtung.

Ausbrüche können zurückgenommen werden.

Die einzelnen Bars verlieren zunehmend an Aussagekraft.

Gerade für einen kurzfristig ausgerichteten Bewegungshandel kann es deshalb sinnvoll sein, zunächst abzuwarten, bis diese Innenstab-Situation beendet ist oder auf eine kleinere Zeiteinheit zu wechseln, auf der die untergeordnete Marktstruktur wieder sauber erkennbar wird. Auch die Darstellung der Voigt-Systematik unterscheidet hier ausdrücklich zwischen bereits bestehenden Positionen, Trendhandel und Bewegungshandel.

Das finde ich wesentlich sinnvoller als die pauschale Aussage:

„Innenstäbe darf man niemals handeln.“

Denn es hängt davon ab:

Welche Strategie handle ich?

Welche Zeiteinheit benutze ich?

Bin ich bereits positioniert?

Handle ich den übergeordneten Trend oder eine einzelne Bewegung?

Warum sollte ich zuerst den Außenstab suchen?

Damit kommen wir zu einer sehr praktischen Regel.

Wenn mehrere Innenstäbe vorhanden sind, sollte ich mich nicht nur am letzten Bar orientieren.

Ich sollte zuerst herausfinden:

Wo liegt der maßgebliche Außenstab?

Denn dieser bildet den Rahmen, innerhalb dessen die nachfolgenden Bewegungen stattfinden.

Das verhindert einen typischen Anfängerfehler:

Man öffnet einen Chart und sieht nur:

Die letzte Kerze steigt.

oder:

Die letzte Kerze fällt.

Dabei fehlt der komplette Zusammenhang.

Vielleicht ist diese Kerze nur der fünfte Innenstab eines Außenstabs, der bereits mehrere Perioden zurückliegt.

Dann bekommt die Farbe dieser einzelnen Kerze eine vollkommen andere Bedeutung.

Für mich bedeutet die „goldene Disziplin“ deshalb:

Nicht zuerst die letzte Kerze bewerten. Erst die Struktur dahinter suchen.

Warum kann ich einen Markt mit vielen Innenstäben zeitweise ignorieren?

Angenommen, ein Markt macht an einem Tag eine starke Bewegung.

Danach entstehen mehrere Innenstäbe.

Wenn mein Handelsansatz längerfristig ausgelegt ist und ich noch nicht positioniert bin, muss ich diesen Markt nicht jede Minute beobachten.

Warum?

Weil der Markt momentan möglicherweise keine neue klare Information für meinen Tradingansatz liefert.

Er verarbeitet zunächst die vorherige Bewegung.

Käufer und Verkäufer kämpfen innerhalb des vorhandenen Bereichs.

Die Volatilität kann abnehmen.

Eine klare neue Bewegung fehlt.

Statt ständig auf jede kleine Kursveränderung zu reagieren, kann ich warten, bis wieder eine relevante Marktstruktur entsteht.

Das ist eigentlich auch eine Form von Disziplin.

Nicht jeder Markt muss ständig gehandelt werden.

Und nicht jede Bewegung verdient meine Aufmerksamkeit.

Was Innenstäbe über verschiedene Zeiteinheiten verraten

Besonders interessant wird das Thema, wenn wir unsere vorherige Erkenntnis über unterschiedliche Zeiteinheiten hinzunehmen.

Ein Innenstab im Tageschart kann im:

60-Minuten-Chart

bereits mehrere Bewegungen enthalten.

Im:

15-Minuten-Chart

können daraus wiederum mehrere kleine Trends bestehen.

Im:

5-Minuten-Chart

sieht die Struktur vielleicht noch einmal völlig anders aus.

Damit wird für mich verständlicher, warum der einzelne Tagesbar manchmal so wenig über das tatsächliche Geschehen im Markt verrät.

Die gewählte Zeiteinheit fasst unzählige einzelne Trades und kleinere Bewegungen einfach zusammen.

Was im Tageschart nach Ruhe aussieht, kann im 5-Minuten-Chart ein ständiger Kampf zwischen Käufern und Verkäufern sein.

Innenstab ist nicht gleich Handelssignal

Das ist für mich ebenfalls wichtig:

Ein Innenstab ist zunächst kein Kaufsignal und kein Verkaufssignal.

Er sagt mir nicht:

Jetzt Long.

und genauso wenig:

Jetzt Short.

Er gibt mir zunächst Informationen darüber, wie sich die aktuelle Periode zum maßgeblichen vorherigen Bar verhält.

Der eigentliche Trendaufbau bleibt wichtiger.

Das bedeutet:

Zuerst schaue ich auf:

Trendstruktur

Bewegung und Korrektur

höhere beziehungsweise tiefere Hochs und Tiefs

und erst anschließend:

Innenstab oder Außenstab.

Damit bekommt das Werkzeug seinen richtigen Platz.

Das große Problem mit vermeintlichen Ausbrüchen

Innenstäbe zeigen mir außerdem sehr schön, warum ein simples Überschreiten eines Hochs oder Tiefs noch nicht automatisch einen erfolgreichen Breakout bedeutet.

Der Kurs kann über ein Hoch steigen.

Neue Käufer springen hinein.

Vielleicht werden gleichzeitig Stop-Orders von Shortpositionen ausgelöst.

Dadurch steigt der Kurs kurzfristig weiter.

Danach fehlen aber neue Käufer.

Verkäufer übernehmen.

Der Markt fällt wieder unter die vorherige Grenze und schließt innerhalb des Außenstabs.

Wer nur den kurzen Ausbruch gesehen hat, wurde möglicherweise in die Bewegung hineingezogen.

Wer den größeren Zusammenhang beobachtet, erkennt:

Der Markt konnte den Ausbruch nicht halten.

Das ist eine wesentlich wertvollere Information als das bloße Überschreiten einer Linie.

Innenstäbe und Stopps

Gerade für die Stoppsetzung bekommt dieses Thema eine besondere Bedeutung.

Wenn ich meinen Stop nach jedem einzelnen neuen Bar nachziehe, kann eine Serie von Innenstäben zum Problem werden.

Der Stop rückt immer näher an den aktuellen Kurs.

Gleichzeitig bewegt sich der Markt innerhalb des Außenstabs ständig nach oben und unten.

Dadurch kann ich aus meiner Position ausgestoppt werden, obwohl die übergeordnete Bewegung noch gar nicht beendet wurde.

Hier zeigt sich wieder:

Ein enger Stop bedeutet nicht automatisch ein gutes Risikomanagement.

Der Stop muss zur Marktstruktur passen.

Das verbindet Innenstäbe direkt mit einem Thema, das ich bereits zuvor gelernt habe:

Ein Stop sollte möglichst dort liegen, wo meine ursprüngliche Tradingidee nicht mehr gültig ist – und nicht einfach dort, wo der letzte Bar endet.

Was ich aus den Innenstäben mitnehme

Innenstäbe sehen zunächst nach einem kleinen Detail der Chartanalyse aus.

Je länger ich mich aber damit beschäftige, desto deutlicher wird mir, wie gut dieses Thema zu den bisherigen Trading-Notizen passt.

Wir hatten bereits:

Liquidität

Kursbildung

Trendlinien

Trendaufbau

Stops

und:

unterschiedliche Zeiteinheiten.

Jetzt kommt ein weiteres Stück dazu.

Ein einzelner Bar erzählt mir niemals die ganze Geschichte.

Ich muss zuerst verstehen, in welchem Zusammenhang dieser Bar entstanden ist.

Bei mehreren Innenstäben wird der Außenstab zum wichtigen Bezugspunkt.

Die einzelnen Perioden können steigen oder fallen.

Sie können kurz über das Hoch oder unter das Tief des Außenstabs laufen.

Die Volatilität kann dabei zunehmend kleiner werden.

Das alles bedeutet aber noch nicht automatisch, dass der übergeordnete Trend gebrochen wurde.

Für mich lautet die wichtigste Erkenntnis deshalb:

Nicht die letzte Kerze handeln – die Struktur handeln.

Gerade ein Anfänger kann sich von jedem grünen und roten Bar emotional beeinflussen lassen.

Grün macht Hoffnung.

Rot macht Angst.

Dann wird gekauft, verkauft, wieder gekauft und anschließend wieder ausgestiegen.

Der Außenstab zwingt mich dazu, einen Schritt weiterzudenken.

Wo befindet sich der Markt innerhalb seiner aktuellen Struktur?

Ist mein Trend noch intakt?

Ist überhaupt eine klare Bewegung vorhanden?

Oder sehe ich momentan hauptsächlich untergeordnetes Marktrauschen?

Und genau darin sehe ich den eigentlichen Nutzen der Innenstäbe:

Sie helfen mir nicht vorherzusagen, wohin der Markt garantiert laufen wird. Sie helfen mir zu erkennen, wann ich einen einzelnen Bar besser nicht überbewerten sollte.

Trading Spickzettel 8

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