Beim Daytrading spielt nicht nur die Frage eine Rolle, ob ein Kurs steigt oder fällt. Mindestens genauso wichtig ist, wie gut sich ein Finanzinstrument überhaupt handeln lässt.
Gerade wenn man mit engen Stopps arbeitet, möchte man möglichst wenig Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis haben. Dazu kommen die Fragen:
Wie groß ist der Spread?
Wie tief ist das Orderbuch?
Wie hoch ist die Liquidität?
Und wie groß kann die Slippage bei einer schnellen Bewegung werden?
Genau deshalb sind nicht alle Finanzinstrumente für Daytrading gleich gut geeignet.
Für mich ist dabei eine Erkenntnis besonders wichtig:
Der kleinste Spread alleine macht noch kein gutes Daytrading-Instrument aus.
Entscheidend ist die Kombination aus engem Spread, hoher Liquidität, großem Handelsvolumen und einer guten Orderbuchtiefe.
Spread und Slippage sind nicht das Gleiche
Zuerst muss man zwei Begriffe unterscheiden.
Der Spread ist der Unterschied zwischen dem besten Kaufpreis und dem besten Verkaufspreis.
Zum Beispiel:
Bid: 100,00 €
Ask: 100,01 €
Der Spread beträgt:
0,01 €.
Auf den ersten Blick sieht das hervorragend aus.
Doch daraus kann ich noch nicht erkennen, wie viele Aktien beziehungsweise Kontrakte tatsächlich zu diesen Preisen verfügbar sind.
Vielleicht stehen bei 100 €:
10.000 Käufer.
Dann kann auch eine größere Verkaufsorder relativ problemlos ausgeführt werden.
Vielleicht stehen dort aber nur:
20 Käufer.
Wenn ich 1.000 Aktien verkaufen möchte, muss meine Order anschließend immer tiefere Preisstufen im Orderbuch treffen.
Dann entsteht Slippage.
Der sichtbare Spread kann also extrem klein sein und die tatsächliche Ausführung trotzdem deutlich schlechter ausfallen.
Warum Liquidität beim Stop so wichtig ist
Angenommen, ich kaufe eine Aktie bei:
100 €.
Mein Stop liegt bei:
99 €.
Fällt der Kurs auf 99 €, wird bei einer klassischen Stop-Market-Order eine Verkaufsorder ausgelöst.
Wenn genügend Käufer vorhanden sind, kann die Position ungefähr bei 99 € geschlossen werden.
Bei einem sehr schnellen Markt kann aber Folgendes passieren:
99,10 € → 98,90 € → 98,70 €
Meine tatsächliche Ausführung könnte dadurch deutlich unter meinem geplanten Stop liegen.
Genau deshalb ist ein liquider Markt so wichtig.
Je mehr Kauf- und Verkaufsorders in der Nähe des aktuellen Kurses vorhanden sind, desto größer ist normalerweise die Chance auf eine saubere Ausführung.
Welche Märkte sind besonders interessant?
Für Daytrading würde ich die verschiedenen Finanzinstrumente ungefähr so einordnen:
1. Sehr liquide Index-Futures
Für mich sind liquide Index-Futures wahrscheinlich die interessanteste Kombination aus:
- engem Spread,
- hoher Liquidität,
- zentralem Orderbuch,
- großem Handelsvolumen,
- transparenter Preisbildung.
Dazu gehören beispielsweise:
E-mini S&P 500 Future
und der kleinere:
Micro E-mini S&P 500 Future – MES.
Der Micro-Future ist besonders interessant, weil sich auch kleine Positionen handeln lassen.
Dadurch kann der Trader das Risiko wesentlich genauer kontrollieren.
Micro E-mini S&P 500
Der Micro E-mini S&P 500 bildet den S&P 500 ab.
Eine minimale Kursbewegung beträgt:
0,25 Punkte.
Ein Tick entspricht beim MES:
1,25 US-Dollar pro Kontrakt.
Wenn mein Stop beispielsweise acht Ticks entfernt liegt, beträgt die reine Kursdifferenz:
8 × 1,25 USD = 10 USD.
Das macht das Instrument interessant, um Daytrading, Stops und Positionsgrößen zu lernen.
Natürlich kommen noch Handelskosten und mögliche Slippage hinzu.
Trotzdem lässt sich das Risiko sehr fein einstellen.
Der große E-mini S&P 500
Der größere E-mini S&P 500 – ES gehört zu den wichtigsten und liquidesten Futures weltweit.
Auch hier beträgt die minimale Kursbewegung:
0,25 Punkte.
Der Geldwert eines Ticks ist allerdings wesentlich größer als beim Micro-Kontrakt.
Deshalb ist der ES zwar extrem interessant für professionelles Daytrading, verlangt aber eine entsprechend größere Kontogröße und ein sehr sauberes Risikomanagement.
Für einen Anfänger würde ich deshalb eher zuerst den Micro-Kontrakt betrachten.
Europäische Alternative: Micro EURO STOXX 50
Wer hauptsächlich während der europäischen Handelszeiten arbeitet, kann sich den:
Micro EURO STOXX 50 Future
anschauen.
Auch hier handelt es sich um einen kleineren Futures-Kontrakt.
Der Vorteil besteht wieder darin, dass ich mit einer kleinen Tickgröße arbeiten und mein Risiko genauer einstellen kann.
Gerade für einen Trader in Europa kann das interessant sein, weil die Hauptaktivität des Marktes während der europäischen Börsenzeiten stattfindet.
Bund-Future
Auch der bereits besprochene Euro-Bund-Future gehört zu den interessanten europäischen Futures.
Der Bund-Future kann sehr liquide sein und besitzt ein zentrales Orderbuch.
Dadurch ist er für die Analyse von:
Bid und Ask
Orderbuch
Volumen
Open Interest
und später:
Order Flow
sehr interessant.
Allerdings hat der normale Bund-Future einen deutlich größeren Geldwert pro Tick als beispielsweise manche Micro-Futures.
Deshalb muss man hier die Positionsgröße sehr genau berücksichtigen.
Forex – extrem kleiner Spread, aber ein Nachteil
Wenn es ausschließlich um einen möglichst kleinen sichtbaren Spread geht, ist Forex ebenfalls sehr interessant.
Besonders die großen Währungspaare:
EUR/USD
USD/JPY
GBP/USD
werden sehr stark gehandelt.
Bei guten Brokern können die Spreads während liquider Handelszeiten extrem klein sein.
Das klingt für Daytrading zunächst optimal.
Forex besitzt allerdings einen wichtigen Unterschied zu börsengehandelten Futures:
Der Spot-Forex-Markt besitzt kein einziges zentrales Orderbuch.
Der Markt ist dezentral organisiert.
Verschiedene Banken, Broker und Liquiditätsanbieter stellen ihre eigenen Preise.
Dadurch kann Broker A beispielsweise einen etwas anderen EUR/USD-Kurs anzeigen als Broker B.
Für reines Trading muss das nicht unbedingt ein Problem sein.
Für mein aktuelles Ziel, die echte Marktmechanik mit Orderbuch und Order Flow zu verstehen, gefallen mir Futures allerdings besser.
Aktien können ebenfalls sehr liquide sein
Auch einzelne Aktien können hervorragend zum Daytrading geeignet sein.
Vor allem sehr große und stark gehandelte US-Aktien haben während der normalen Handelszeit teilweise extrem enge Spreads.
Eine Aktie könnte beispielsweise bei:
200,00 USD
stehen und einen Spread von nur:
0,01 USD
haben.
Das ist grundsätzlich hervorragend.
Aber bei Aktien kommt ein zusätzliches Risiko hinzu:
Unternehmensspezifische Nachrichten.
Eine Gewinnwarnung, Analystenmeldung, Übernahme oder andere unerwartete Nachricht kann innerhalb weniger Sekunden eine starke Kursbewegung verursachen.
Der Stop kann dann deutlich schlechter ausgeführt werden als ursprünglich geplant.
Dieses Risiko besteht bei einem breiten Index-Future zwar ebenfalls durch allgemeine Marktnachrichten, aber nicht durch eine einzelne Unternehmensmeldung.
Nicht jede Aktie eignet sich für Daytrading
Besonders vorsichtig wäre ich bei:
Small Caps
Pennystocks
Aktien mit geringem Tagesvolumen
und Aktien außerhalb ihrer Hauptbörsenzeiten.
Hier können Spreads größer werden und das Orderbuch sehr dünn sein.
Eine Aktie kann beispielsweise einen Spread von nur wenigen Cent haben.
Wenn aber nur wenige Aktien zu diesen Preisen verfügbar sind, kann eine größere Market Order mehrere Preisstufen gleichzeitig durchlaufen.
Das kann gerade beim Stop problematisch werden.
Stop-Market oder Stop-Limit?
Bei der Stopsetzung gibt es außerdem einen wichtigen Unterschied.
Stop-Market
Bei einer Stop-Market-Order wird nach Erreichen des Stoppreises eine Market Order ausgelöst.
Der Vorteil:
Die Wahrscheinlichkeit, die Position zu verlassen, ist hoch.
Der Nachteil:
Der tatsächliche Ausführungspreis ist nicht garantiert.
Bei einer schnellen Marktbewegung kann Slippage entstehen.
Stop-Limit
Bei einer Stop-Limit-Order wird dagegen nach Erreichen des Stops eine Limit Order eingestellt.
Dadurch kann ich bestimmen, welchen schlechtesten Preis ich akzeptieren möchte.
Das klingt zunächst besser.
Es entsteht aber ein neues Risiko:
Die Position wird möglicherweise überhaupt nicht geschlossen.
Wenn der Markt mein Limit überspringt, bleibt die Position offen.
Bei einem stark fallenden Markt kann das wesentlich gefährlicher sein als einige Ticks Slippage.
Deshalb ist eine Stop-Limit-Order nicht automatisch sicherer.
Der Index selbst wird nicht direkt gehandelt
Ein wichtiger Punkt bei der Bezeichnung „Index Trading“:
Ein Index wie der:
S&P 500
oder:
EURO STOXX 50
ist zunächst nur eine Berechnung verschiedener Aktienkurse.
Man kann den Index selbst nicht direkt kaufen.
Man handelt Produkte, die diesen Index abbilden.
Zum Beispiel:
- Futures,
- ETFs,
- Optionen,
- CFDs.
Wenn also von Index-Daytrading gesprochen wird, meint man meistens eines dieser Finanzinstrumente.
Welche Instrumente würde ich bevorzugen?
Für mein Ziel würde ich folgende Reihenfolge wählen:
1. Micro E-mini S&P 500
Sehr interessant wegen:
hoher Liquidität
zentralem Orderbuch
kleiner Kontraktgröße
definiertem Tick
und sehr guter Datenverfügbarkeit.
Für das Lernen von Marktmechanik wahrscheinlich mein Favorit.
2. Micro EURO STOXX 50
Interessant für europäische Handelszeiten und ebenfalls mit einer kleinen Kontraktgröße.
3. E-mini S&P 500
Extrem liquider Markt, allerdings mit deutlich größerem Geldwert pro Tick.
Eher dann interessant, wenn Risikomanagement und Positionsgrößen bereits sicher beherrscht werden.
4. Major Forex
Sehr kleine Spreads und hohe Liquidität.
Besonders:
EUR/USD
Aber aufgrund des dezentralen Marktes weniger ideal, wenn man tief in Orderbuch und tatsächliche Börsenmechanik einsteigen möchte.
5. Hochliquide Aktien
Große Aktien können ebenfalls sehr gut handelbar sein.
Hier muss ich aber zusätzlich auf:
Tagesvolumen
Spread
Orderbuchtiefe
und mögliche Unternehmensnachrichten achten.
Was ich eher vermeiden würde
Wenn mein Ziel präzise Stop-Ausführungen und möglichst wenig Slippage sind, würde ich zunächst vermeiden:
- wenig gehandelte Aktien,
- Pennystocks,
- exotische Forex-Paare,
- Futures mit geringem Handelsvolumen,
- weit entfernte Futures-Laufzeiten,
- Trades außerhalb der Hauptbörsezeiten,
- sehr illiquide CFDs.
Auch unmittelbar vor wichtigen Wirtschaftsdaten muss man vorsichtig sein.
Selbst ein normalerweise sehr liquider Markt kann innerhalb weniger Sekunden stark springen.
Der wichtigste Gedanke
Für Daytrading sollte ich nicht einfach nach dem Finanzinstrument mit dem kleinsten sichtbaren Spread suchen.
Viel wichtiger ist die Kombination aus:
enger Spread
hohe Liquidität
tiefes Orderbuch
hohes Handelsvolumen
kleine beziehungsweise passende Kontraktgröße
und:
transparente Preisbildung.
Genau hier sind liquide Index-Futures besonders interessant.
Für meine jetzige Lernphase würde ich deshalb vor allem den:
Micro E-mini S&P 500
und als europäische Alternative den:
Micro EURO STOXX 50
genauer untersuchen.
Nicht weil diese Produkte automatisch Gewinne bringen.
Sondern weil sie sehr gut geeignet sind, die Dinge praktisch zu beobachten, mit denen ich mich gerade beschäftige:
Trendaufbau → Liquidität → Bid/Ask → Spread → Orderbuch → Stop → Slippage → Open Interest → Order Flow.
Je besser ich diese Zusammenhänge verstehe, desto weniger muss ich später einfach darauf hoffen, dass mein Stop ungefähr dort ausgeführt wird, wo ich ihn gesetzt habe.
Ich kann bereits vor dem Einstieg beurteilen, ob der Markt überhaupt für meinen Tradingstil geeignet ist.