Die richtige Ausstiegsstrategie ist eine der Golddisziplinen beim markttechnisch orientierten Trading.
Denn ein guter Einstieg alleine entscheidet noch lange nicht darüber, ob ein Trade am Ende profitabel wird.
Ich kann einen Einstieg perfekt erwischen und trotzdem einen schlechten Trade daraus machen, wenn ich nicht weiß:
Wo akzeptiere ich einen Verlust?
Wann ziehe ich meinen Stop nach?
Wann lasse ich den Markt einfach laufen?
Wann nehme ich einen Gewinn mit?
Und vor allem:
Wann ist meine ursprüngliche Tradingidee überhaupt nicht mehr gültig?
Je mehr ich mich mit Markttechnik beschäftige, desto deutlicher wird mir, dass der Stop nicht einfach irgendeine Zahl unter meinem Einstiegskurs sein darf.
Ein Stop gehört genauso zur Marktanalyse wie der Einstieg selbst.
Im Idealfall kennt der Trader deshalb bereits vor Eröffnung einer Position seinen möglichen Ausstieg.
Welche Stop-Kategorien gibt es?
Grundsätzlich lassen sich für meine Trading-Notizen drei wichtige Funktionen unterscheiden:
- Verlustbegrenzungsstopp
- Gewinnsicherungsstopp
- Gewinnmitnahme / Profit Target
Dabei erfüllen alle drei einen anderen Zweck.
1. Verlustbegrenzungsstopp
Der Verlustbegrenzungsstopp wird direkt nach beziehungsweise bereits bei Eröffnung einer Position festgelegt.
Oft wird dabei auch vom Initial Stop gesprochen.
Der Begriff Initial Risk meint dagegen genauer das finanzielle Risiko zwischen Einstieg und anfänglichem Stop.
Beispiel:
Einstieg:
100 €
Stop:
95 €
Differenz:
5 € pro Aktie
Bei 100 Aktien beträgt mein Initial Risk:
500 €
Der Stop liegt also bei 95 €, während mein Initial Risk 500 € beträgt.
Diese Unterscheidung finde ich wichtig.
Der Verlustbegrenzungsstopp soll verhindern, dass aus einem kontrollierten Verlust irgendwann ein unkontrollierter Verlust wird.
Die entscheidende Frage lautet dabei aber nicht einfach:
Wie wenig möchte ich verlieren?
Sondern vielmehr:
Ab welchem Kurs ist meine ursprüngliche Tradingidee falsch?
Genau dort bekommt der Stop seinen markttechnischen Sinn.
Mein persönlicher Umgang mit Stops bei Aktie
Da meine größeren Positionen hauptsächlich Aktienpositionen sind, nutze ich Stops unter anderem dazu, bei einer stärkeren Korrektur Verluste beziehungsweise bereits entstandene Gewinne zu begrenzen, ohne jeden Tag permanent den Chart beobachten zu müssen.
Dabei muss ich aber zwischen Trading und langfristigem Investieren unterscheiden.
Bei einer kurzfristigen Tradingposition habe ich normalerweise:
- einen Einstieg,
- eine konkrete Tradingidee,
- einen definierten Stop,
- ein bestimmtes Risiko.
Bei einer langfristigen Aktie oder einem ETF sieht meine Logik teilweise anders aus.
Wenn ich beispielsweise eine langfristige Beteiligung an einem Unternehmen aufbauen möchte, kann eine normale Schwankung von 5 oder 10 % vollkommen innerhalb meiner ursprünglichen Investmentidee liegen.
Würde ich dort einen sehr engen Stop verwenden, könnte Folgendes passieren:
Die Aktie fällt wegen einer kurzfristigen Nachricht 7 %.
Mein Stop wird ausgelöst.
Einige Tage später beruhigt sich der Markt.
Die Aktie steigt wieder.
Ich habe dann den kurzfristigen Verlust realisiert und muss eventuell zu einem höheren Kurs wieder einsteigen.
Gerade bei langfristigen Qualitätsunternehmen können solche stärkeren kurzfristigen Schwankungen immer wieder vorkommen.
Das bedeutet aber nicht, dass bei langfristigen Investments der Kurs vollkommen egal ist oder grundsätzlich kein Risikomanagement benötigt wird.
Auch ein vermeintlich hervorragendes Unternehmen kann fundamentale Probleme entwickeln.
Deshalb kann bei langfristigen Investments statt eines engen technischen Stops beispielsweise ein fundamentaler Ausstiegspunkt verwendet werden:
Hat sich meine ursprüngliche Investmentthese verändert?
Verschlechtert sich das Geschäftsmodell?
Wird die Verschuldung problematisch?
Wird die Dividende dauerhaft gefährdet?
Hat sich die Bewertung vollkommen von der fundamentalen Entwicklung entfernt?
Bei einer Dividendenstrategie steht für mich möglicherweise der langfristige Cashflow stärker im Vordergrund als eine kurzfristige Kursbewegung.
Aber auch dort darf man Kapitalverlust und mögliche Dividendenkürzungen nicht vollständig ignorieren.
Damit entsteht eine wichtige Trennung:
Trading-Stop = meist technisch und kursbezogen
Investment-Ausstieg = häufig stärker fundamental und langfristig
Welche Verlustbegrenzungsstopps gibt es?
A) Fester Stopp
Der einfachste Stopp basiert auf einer festen Distanz.
Beispielsweise:
Einstieg:
100 €
Stop:
97 €
Der Abstand beträgt immer:
3 €.
Das ist sehr einfach, berücksichtigt aber nicht automatisch die Marktstruktur oder Volatilität.
Eine Aktie, die sich normalerweise nur 1 % am Tag bewegt, verhält sich völlig anders als eine Aktie, die täglich 5 bis 8 % schwankt.
Deshalb kann derselbe feste Abstand bei einem Markt viel zu weit und bei einem anderen viel zu eng sein.
B) Prozentstopp
Hier wird der Stop anhand eines festen Prozentsatzes bestimmt.
Beispielsweise:
Einstieg:
100 €
Stop:
5 % tiefer.
Damit liegt der Stop bei:
95 €.
Auch das ist einfach und gut berechenbar.
Aber ein Prozentstopp hat dasselbe grundsätzliche Problem:
Der Markt weiß nicht, dass ich beschlossen habe, maximal 5 % zu verlieren.
Vielleicht liegt ein wichtiger markttechnischer Punkt bei 94,50 €.
Mein 5-%-Stop bei 95 € könnte dann genau innerhalb einer normalen Korrektur liegen.
Ich werde ausgestoppt und anschließend dreht der Markt möglicherweise bei 94,50 € wieder nach oben.
C) Volatilitätsstopp
Interessanter wird der Volatilitätsstopp.
Hier berücksichtigt man, wie stark sich das Instrument normalerweise bewegt.
Ein bekanntes Werkzeug dafür ist beispielsweise die:
ATR – Average True Range.
Wenn eine Aktie normalerweise sehr stark schwankt, bekommt der Stop mehr Raum.
Bei einem ruhigen Instrument kann er entsprechend enger liegen.
Die Logik dahinter gefällt mir:
Der Markt bestimmt mit seiner eigenen Bewegung, wie viel Platz die Position benötigt.
Ein Volatilitätsstopp verhindert zwar ebenfalls keine Fehltrades, berücksichtigt aber wenigstens, dass nicht jedes Finanzinstrument gleich stark schwankt.
D) Markttechnischer beziehungsweise Struktur-Stopp
Für meine jetzigen Notizen ist dieser Stop wahrscheinlich besonders interessant.
Dabei orientiere ich mich nicht an:
5 %
oder:
3 €.
Sondern an der tatsächlichen Marktstruktur.
Angenommen, ich handle einen Aufwärtstrend.
Der Markt bildet:
Higher High → Higher Low → Higher High.
Ich steige nach einer Korrektur ein.
Dann kann mein Stop unter dem relevanten Higher Low beziehungsweise Punkt 3 liegen.
Warum?
Weil meine Tradingidee lautet:
Der Aufwärtstrend soll weiterhin höhere Tiefpunkte bilden.
Wird dieses für meinen Trade entscheidende Tief deutlich unterschritten, muss ich meine ursprüngliche Annahme neu bewerten.
Damit ergibt sich der Stop aus dem Markt und nicht aus meinem persönlichen Wunsch, maximal einen bestimmten Prozentwert zu verlieren.
Das bedeutet allerdings gleichzeitig:
Die Positionsgröße muss sich dem Stop anpassen.
Nicht der Stop der gewünschten Positionsgröße.
E) Break-even-Stopp
Der Break-even-Stopp ist streng genommen kein ursprünglicher Verlustbegrenzungsstopp, sondern eine spätere Veränderung des Stops.
Der Trade läuft bereits in meine Richtung.
Anschließend ziehe ich den Stop ungefähr auf meinen Einstiegskurs.
Damit kann ich versuchen, das ursprüngliche Verlustrisiko aus dem Trade herauszunehmen.
Beispiel:
Einstieg:
100 €
Initial Stop:
95 €
Kurs steigt auf:
108 €
Ich ziehe meinen Stop auf:
100 € beziehungsweise leicht darüber.
Fällt der Markt anschließend zurück, verliere ich theoretisch kaum noch etwas.
Allerdings darf man auch hier nicht zu schnell handeln.
Ein zu früh gesetzter Break-even-Stopp kann dazu führen, dass eine völlig normale Korrektur mich aus dem Markt wirft und der eigentliche Trend anschließend weiterläuft.
Break-even fühlt sich psychologisch sehr sicher an, ist aber nicht automatisch markttechnisch sinnvoll.
2. Gewinnsicherungsstopp – Trailing Stop
Den Gewinnsicherungsstopp beziehungsweise Trailing Stop nutze ich während einer bereits laufenden Position.
Der Stop wird dem Marktverlauf nachgezogen.
Die Idee dahinter:
Den Trend möglichst lange laufen lassen und gleichzeitig bereits entstandene Gewinne zunehmend schützen.
Bei einem Aufwärtstrend könnte ich meinen Stop beispielsweise unter neue relevante Tiefpunkte nachziehen.
Der Markt bildet:
Punkt 3
→ Bewegung
→ neues Hoch
→ neue Korrektur
→ neuer Punkt 3.
Sobald die neue Struktur bestätigt ist, kann der Stop eventuell unter den neuen Punkt 3 gezogen werden.
Damit steigt meine Gewinnsicherung Schritt für Schritt mit dem Markt.
Aber auch hier gilt:
Ein Trailing Stop sollte dem Markt folgen und den Markt nicht verfolgen.
Wenn ich meinen Stop nach jedem kleinen Tick nachziehe, gebe ich der Position überhaupt keinen Platz mehr.
3. Gewinnmitnahme – Profit Target
Die dritte Möglichkeit ist ein vorher definiertes Kursziel.
Beispielsweise:
Einstieg:
100 €
Stop:
95 €
Kursziel:
115 €
Erreicht der Markt 115 €, wird die Position geschlossen beziehungsweise teilweise geschlossen.
Technisch wird dafür meistens eine Take-Profit- beziehungsweise Limit-Order verwendet und kein klassischer Stop.
Das Ziel steht bereits vor dem Trade fest.
Das kann beispielsweise interessant sein, wenn ich:
- eine bestimmte Bewegung handeln möchte,
- einen Widerstandsbereich erwarte,
- ein definiertes Chance-Risiko-Verhältnis benutze,
- nicht den gesamten Trend handeln möchte.
Damit kommen wir zu einer sehr wichtigen Frage:
Was möchte ich eigentlich handeln?

Denn Stop und Ausstieg hängen davon ab, welches Tradingkonzept ich benutze.
Ich kann beispielsweise handeln:
den Trend
die Bewegung
oder:
den Ausbruch.
Diese drei Strategien sehen im selben Chart teilweise vollkommen unterschiedlich aus.
1. Handel des Trends
Beim Trendhandel möchte ich möglichst einen größeren Teil eines bestehenden Trends mitnehmen.
Ich möchte also nicht unbedingt am nächsten Hoch sofort wieder verkaufen.
Solange die markttechnische Trendstruktur intakt bleibt, möchte ich in der Position bleiben.
Bei einem Aufwärtstrend bedeutet das:
höhere Hochs + höhere Tiefs.
Mein Stop bekommt deshalb mehr Raum.
Ich akzeptiere normale Korrekturen.
Wenn nach einer Bewegung eine Korrektur entsteht, muss das noch kein Grund zum Ausstieg sein.
Der Trendtrader denkt:
Solange die Struktur meines Trends nicht zerstört wurde, bleibe ich dabei.
Das bedeutet gleichzeitig:
Der Trendhandel kann längere Phasen enthalten, in denen bereits vorhandener Gewinn wieder kleiner wird.
Das muss der Trader psychologisch aushalten können.
Der Vorteil:
Entsteht wirklich ein großer Trend, kann der Trader sehr lange dabei bleiben.
Der Nachteil:
Er wird selten exakt am Hoch aussteigen.
Denn der Trend muss erst Anzeichen einer Veränderung zeigen, bevor der Ausstieg erfolgt.
[BILD 1 EINFÜGEN: Trendhandel – Einstieg im Aufwärtstrend, mehrere Korrekturen, nachlaufender Stop unter den Punkten 3]
2. Handel der Bewegung
Beim Bewegungshandel möchte ich nicht zwangsläufig den ganzen Trend handeln.
Mich interessiert hauptsächlich die einzelne Bewegung innerhalb des Trends.
Der Markt besteht vereinfacht aus:
Bewegung → Korrektur → Bewegung → Korrektur.
Ich versuche beispielsweise nach einer abgeschlossenen Korrektur in die nächste Bewegung einzusteigen.
Das Ziel liegt möglicherweise am vorherigen Punkt 2 beziehungsweise etwas darüber.
Dadurch kann der Stop enger an der aktuellen Bewegung orientiert werden.
Der Bewegungstrader will nicht unbedingt monatelang im Markt bleiben.
Er möchte eine möglichst klare Strecke handeln.
Das bedeutet:
Trendtrader handelt die übergeordnete Struktur.
Bewegungstrader handelt eine einzelne Strecke innerhalb dieser Struktur.
[BILD 2 EINFÜGEN: Bewegungshandel – Punkt 3 als Einstieg, Bewegung in Richtung vorheriges/neues Punkt 2, Gewinnmitnahme]
3. Handel des Ausbruchs
Beim Ausbruchshandel wartet der Trader darauf, dass der Markt einen wichtigen Bereich überschreitet.
Beispielsweise:
- vorheriges Hoch,
- Punkt 2,
- Widerstand,
- Unterstützungsbereich,
- Konsolidierung.
Ein klassisches Beispiel:
Der Markt läuft mehrfach bis:
100 €
schafft es aber nicht darüber.
Dann steigt er plötzlich über:
100 €.
Der Ausbruchstrader versucht, an dieser neuen Bewegung teilzunehmen.
Die Idee:
Wenn eine wichtige Grenze überschritten wird, könnten neue Orders in den Markt kommen.
Dazu können gehören:
- neue Käufer,
- Breakout-Trader,
- Stop-Orders von Shortsellern,
- algorithmische Orders.
Dadurch kann sich die Bewegung beschleunigen.
Das größte Risiko ist allerdings der:
False Breakout.
Der Markt steigt kurz über das Hoch, neue Trader kaufen und anschließend fällt der Kurs wieder zurück.
Deshalb benötigt auch der Ausbruchshandel einen klar definierten Stop.
[BILD 3 EINFÜGEN: Ausbruchshandel – Widerstand, Breakout über Punkt 2, Einstieg und Stop unter Ausbruchsbereich]
Drei Strategien – drei unterschiedliche Stopps
Damit wird etwas sehr Wichtiges deutlich.
Der gleiche Chart kann je nach Strategie einen vollkommen anderen Stop verlangen.
Der Trendtrader sagt:
Ich gebe dem Markt mehr Raum und orientiere mich an der größeren Struktur.
Der Bewegungstrader sagt:
Wenn meine aktuelle Bewegung nicht entsteht, möchte ich relativ schnell wieder heraus.
Der Ausbruchstrader sagt:
Wenn der Markt nach dem Ausbruch sofort wieder zurückfällt, ist meine Breakout-Idee möglicherweise gescheitert.
Deshalb gibt es nicht einfach:
„den richtigen Stop“.
Der Stop muss zum:
Markt + Zeitrahmen + Einstieg + Tradingkonzept
passen.
Nicht zu tief in den Chart eingraben
Um einen Stop richtig zu setzen, darf man sich meiner Meinung nach nicht unendlich tief in immer kleinere Zeiteinheiten eingraben.
Genau hier entsteht eine psychologische Falle.
Ich starte beispielsweise mit einem:
60-Minuten-Chart.
Dort sieht mein Trend sauber aus.
Dann schaue ich auf:
15 Minuten.
Jetzt entdecke ich eine kleine Gegenbewegung.
Ich werde nervös.
Dann öffne ich:
5 Minuten.
Jetzt sehe ich dort sogar einen kurzfristigen Abwärtstrend.
Dann:
1 Minute.
Plötzlich sieht alles gefährlich aus.
Im Tick-Chart finde ich schließlich hunderte Bewegungen gegen meine Position.
Das Ergebnis:
Ich verliere den Blick auf den Trend, den ich eigentlich handeln wollte.
Warum kleinere Zeiteinheiten psychologisch gefährlich werden können
Je kleiner die Zeiteinheit wird, desto mehr Kursbewegungen sehe ich.
Damit steigt aber nicht automatisch die Qualität meiner Information.
Es steigt zunächst die Menge der Informationen.
Jeder kleine Rücksetzer sieht plötzlich bedeutend aus.
Der Trader beginnt:
- Stops unnötig zu verschieben,
- Positionen zu früh zu schließen,
- ständig neue Trendlinien zu zeichnen,
- seine ursprüngliche Tradingidee infrage zu stellen,
- neue Einstiege zu suchen,
- emotional auf einzelne Ticks zu reagieren.
Das kann zu Overtrading führen.
Der Trader glaubt, dass mehr Chartinformation automatisch zu besseren Entscheidungen führt.
In Wirklichkeit entsteht möglicherweise nur mehr Marktrauschen.
Deshalb sollte die Zeiteinheit meines Stops grundsätzlich zur Zeiteinheit meiner Strategie passen.
Wenn ich einen Tagestrend handle, darf ein kleiner Gegentrend im 1-Minuten-Chart nicht automatisch meinen Tagestrade beenden.
Beim Tick-Chart kann es deshalb sinnvoll sein, nur einen überschaubaren Bereich zu betrachten – beispielsweise den aktuellen und vorherigen Handelstag – damit der Chart nicht mit unzähligen historischen Mikrostrukturen überladen wird.
Ein Trend kann intakt sein und meine Position trotzdem im Minus liegen
Das ist ebenfalls eine wichtige Besonderheit.
Ein Trader kann vollkommen richtig erkannt haben:
Der Markt befindet sich in einem Aufwärtstrend.
Und trotzdem steht seine Longposition zunächst im Minus.
Wie kann das passieren?
Ganz einfach:
Der Einstieg war zu nahe an einer bevorstehenden Korrektur.
Angenommen:
Der Aufwärtstrend ist intakt.
Ich kaufe unmittelbar am Ende einer starken Bewegung.
Kurz danach beginnt die normale Korrektur.
Der Markt fällt.
Meine Position wird negativ.
Der Trend ist aber trotzdem noch nicht gebrochen.
Genau deshalb sind:
Trendrichtung
und:
Einstiegszeitpunkt
zwei unterschiedliche Dinge.
Ich kann mit meiner Trendanalyse richtig liegen und trotzdem einen schlechten Einstieg haben.
Ein Trend innerhalb eines Trends
Eine weitere wichtige Besonderheit:
Innerhalb eines Trends kann ein entgegengesetzter Trend entstehen.
Das hatten wir bereits bei den verschiedenen Zeiteinheiten.
Der Tageschart kann einen Aufwärtstrend zeigen.
Während der Korrektur bildet der 5-Minuten-Chart einen sauberen Abwärtstrend.
Damit existieren beide Trends gleichzeitig.
Das ist besonders wichtig, wenn sich das klassische 1-2-3-Muster verändert.
Wenn ein Punkt 3 plötzlich nicht mehr dort entsteht, wo ich ihn anhand der bisherigen Bewegung erwarten würde, sollte ich genauer hinschauen.
Vielleicht ist es nur eine stärkere Korrektur.
Vielleicht verändert sich aber tatsächlich die Marktstruktur.
Genau hier können zusätzliche Werkzeuge wie:
- Trendlinien,
- Chartmuster,
- Unterstützungen,
- Widerstände,
- Volumen
helfen.
Sie ersetzen die Marktstruktur nicht, können aber zusätzliche Hinweise liefern.
Wenn Punkt 2 und Punkt 3 innerhalb eines Bars liegen
Dieser Punkt ist besonders interessant.
Ein einzelner Bar zeigt mir lediglich:
Open
High
Low
Close.
Er zeigt mir aber nicht zwingend die genaue Reihenfolge aller Bewegungen innerhalb dieser Periode.
Nehmen wir einen Tagesbar:
Open:
100 €
High:
110 €
Low:
98 €
Close:
108 €.
Im Tageschart sehe ich nicht unmittelbar:
Kam zuerst 110 € und danach 98 €?
oder:
Kam zuerst 98 € und anschließend 110 €?
Dafür muss ich in eine kleinere Zeiteinheit wechseln.
Genau deshalb können ein relevanter Punkt 2 und Punkt 3 innerhalb derselben größeren Periode liegen.
Der Bar komprimiert schließlich tausende einzelne Trades.
Das erklärt auch, warum innerhalb eines einzigen Bars manchmal enorme Bewegungen stattfinden.
Eine Tageskerze kann in Wirklichkeit enthalten:
Aufwärtstrend → Trendbruch → Abwärtstrend → neue Umkehr.
Im Tageschart sehe ich am Ende nur einen einzigen Bar.
Deshalb sollte ein großer außergewöhnlicher Bar bei der Trendanalyse nicht einfach ignoriert werden.
Sein Hoch und Tief sind tatsächlich gehandelte Kurse und können für die Marktstruktur entscheidend sein.
Wenn die Reihenfolge der Bewegung für meine 1-2-3-Analyse wichtig ist, kann ich gezielt eine Zeiteinheit tiefer gehen, um sie aufzulösen.
Das ist etwas anderes als sich ohne konkreten Grund immer weiter bis in den Tick-Chart einzugraben.
Kurslücken – Gaps
Eine weitere Besonderheit sind Kurslücken.
Eine Kurslücke entsteht, wenn zwischen zwei gehandelten Bereichen keine beziehungsweise kaum Transaktionen stattgefunden haben und der nächste handelbare Kurs deutlich höher oder tiefer liegt.
Ein einfaches Beispiel bei einer Aktie:
Schlusskurs gestern:
100 €
Eröffnung heute:
105 €
Zwischen 100 und 105 € wurde in der betrachteten Handelssitzung nicht normal gehandelt.
Wir sehen eine Kurslücke.
Was kann eine Kurslücke darstellen?
Eine Kurslücke kann je nach Marktstruktur:
- eine Korrektur abbilden,
- Bestandteil einer Bewegung sein,
- einen neuen Trend unterstützen,
- einen Ausbruch darstellen,
- am Ende einer Bewegung auftreten,
- sogar einen bisherigen Trend beenden.
Deshalb darf auch eine Kurslücke niemals isoliert betrachtet werden.
Der Kontext entscheidet.
Verschiedene Arten von Kurslücken
In der klassischen Charttechnik werden Gaps häufig grob unterschieden in:
Common Gap
Eine normale Kurslücke innerhalb eines bereits vorhandenen Handelsbereichs.
Sie muss keine besondere Aussage besitzen.
Breakaway Gap
Eine Kurslücke entsteht beim Verlassen einer bisherigen Struktur.
Zum Beispiel beim Ausbruch über einen größeren Widerstandsbereich.
Continuation beziehungsweise Runaway Gap
Die Kurslücke entsteht innerhalb eines bereits laufenden Trends und begleitet dessen Fortsetzung.
Exhaustion Gap
Eine starke Kurslücke tritt nach einer bereits weit fortgeschrittenen Bewegung auf.
Sie kann darauf hindeuten, dass die Bewegung zunehmend überhitzt.
Wichtig:
Diese Namen sind Beschreibungen im Nachhinein und keine sicheren Vorhersagen.
Ich weiß beim ersten Erscheinen einer Kurslücke noch nicht automatisch, welche Art von Gap daraus später wird.
Kurslücken und unterschiedliche Zeiteinheiten
Bei der Bewegungssuche kann ein Wechsel der Zeiteinheit helfen, die Punkte 1, 2 und 3 rund um eine Kurslücke besser zu erkennen.
Das ist besonders bei Aktien interessant.
Auf dem Tageschart sehe ich möglicherweise nur:
Schluss 100 € → nächste Eröffnung 105 €.
Im kleineren Chart kann ich anschließend analysieren, wie sich der Markt nach der neuen Eröffnung entwickelt.
Bei Futures und Forex ist das etwas anders, weil diese Märkte deutlich länger beziehungsweise nahezu rund um die Uhr unter der Woche gehandelt werden.
Deshalb entstehen dort weniger klassische Overnight-Gaps als bei Aktien während der geschlossenen Kassamarktphase.
Wochenenden, Handelsunterbrechungen oder außergewöhnliche Nachrichten können aber auch dort Kurslücken verursachen.
Kurslücken und Stops
Für Stops sind Kurslücken besonders wichtig.
Angenommen:
Aktie steht bei:
100 €.
Mein Stop liegt bei:
95 €.
Über Nacht erscheint eine sehr schlechte Nachricht.
Der nächste handelbare Kurs liegt bei:
90 €.
Mein Stop bei 95 € kann mich dann nicht automatisch bei 95 € retten.
Eine Stop-Market-Order wird ausgelöst, aber zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt.
Das könnte beispielsweise:
90 €
sein.
Der geplante Verlust war also:
5 € pro Aktie.
Der tatsächliche Verlust beträgt:
10 €.
Auch die CME beschreibt bei Stop-Orders grundsätzlich, dass sie nach Erreichen des Triggerpreises zur ausführbaren Order werden und der tatsächliche Fill vom verfügbaren Markt abhängt; Stop-Limit-Varianten reduzieren das Preisrisiko, tragen dafür das Risiko einer Nichtausführung.
Das zeigt:
Ein Stop begrenzt mein Risiko – aber er garantiert bei schnellen Bewegungen oder Gaps nicht zwingend meinen geplanten Ausstiegspreis.
Stopps bei Außen- und Innenstäben nachziehen
Tritt während eines laufenden Trades ein Außenstab mit mehreren Innenstäben auf, sollte ich beim Nachziehen meines Stops vorsichtig sein.
Wir hatten bereits gelernt:
Innerhalb des Außenstabs können die Innenstäbe teilweise stark hin und her laufen.
Ein einzelner Innenstab kann kurzfristig:
- nach oben ausbrechen,
- nach unten laufen,
- wieder zurückkehren,
- rot schließen,
- grün schließen.
Wenn ich meinen Stop innerhalb dieser Struktur ständig nachziehe, kann ich sehr leicht von einer untergeordneten Bewegung ausgestoppt werden.
Deshalb kann es sinnvoll sein, zunächst abzuwarten, bis der Markt diese Struktur wieder in Richtung meines gehandelten Trends verlässt.
Erst danach ergibt sich möglicherweise ein neuer sinnvoller markttechnischer Punkt zum Nachziehen des Stops.
Handelszeit ist nicht gleich Handelsqualität
Ein weiterer Punkt, den man beim Setzen und Nachziehen von Stops beachten sollte:
Nur weil ein Markt offiziell geöffnet ist, bedeutet das nicht, dass er zu jeder Uhrzeit gleich gut handelbar ist.
Die Anzahl aktiver Marktteilnehmer verändert sich im Tagesverlauf.
Damit verändern sich:
- Handelsvolumen,
- Orderbuchtiefe,
- Spread,
- Volatilität,
- Slippage-Risiko.
Genau deshalb sollte ein Trader die aktive Handelszeit seines Instruments kennen.
Aktien – Hauptbörse gegen Nebenzeiten
Bei US-Aktien läuft die reguläre Nasdaq-Handelssitzung beispielsweise von 9:30 bis 16:00 Uhr Eastern Time. Pre-Market und After-Hours existieren ebenfalls, besitzen aber häufig geringere Liquidität. Nasdaq weist selbst darauf hin, dass die Liquidität außerhalb der regulären Handelszeit geringer sein und die Volatilität dadurch höher ausfallen kann.
Das ist für Stops entscheidend.
Eine Position, die während der Hauptbörse einen sehr engen Spread besitzt, kann nachbörslich plötzlich:
- einen größeren Spread,
- weniger Orderbuchtiefe,
- stärkere Kurssprünge
zeigen.
Deshalb kann ein Stop, der während der Hauptsession perfekt aussieht, außerhalb dieser Zeit ein ganz anderes Risikoprofil besitzen.
Futures – fast rund um die Uhr heißt nicht gleich liquide
Viele Futures können einen sehr großen Teil des Tages gehandelt werden.
Bei Eurex läuft der reguläre Handel grundsätzlich bis 22:00 Uhr CET; für ausgewählte liquide Futures existieren zusätzlich asiatische Handelszeiten. Die exakten Zeiten sind produktabhängig. EURO-STOXX-50-Futures gehören beispielsweise zu den Produkten mit erweitertem Handel.
Das bedeutet aber nicht:
03:00 Uhr = gleiche Liquidität wie 10:00 Uhr.
Das Handelsvolumen hängt stark davon ab, welche Marktteilnehmer gerade aktiv sind und ob der dazugehörige Kassamarkt geöffnet ist.
Beim amerikanischen E-mini S&P 500 zeigt CME beispielsweise eine typische U-förmige Intraday-Volumenkurve:
Sehr viel Aktivität rund um die Öffnung des amerikanischen Kassamarkts um 9:30 Uhr ET und erneut rund um den Schluss um 16:00 Uhr ET, während die Aktivität mitten im Handelstag häufig geringer ist.
Genau deshalb kann die gleiche Stop-Distanz morgens ein anderes Risiko besitzen als in einer ruhigen Handelsphase.
Futures und der zugrunde liegende Kassamarkt
Beim Future muss ich deshalb immer fragen:
Welchen Markt bildet dieser Future eigentlich ab?
Beim S&P-500-Future wird die Aktivität stark vom amerikanischen Aktienmarkt beeinflusst.
Beim EURO-STOXX-50-Future spielt die europäische Börsensitzung eine große Rolle.
Beim Bund-Future sind unter anderem:
- europäische Zinsmärkte,
- EZB-Kommunikation,
- Inflationsdaten,
- Anleihehandel
wichtig.
Außerhalb der Kernzeiten kann ein Future zwar weiterhin handelbar sein.
Das Orderbuch kann aber dünner werden.
Damit können bei gleich großer Order größere Preisunterschiede entstehen.
Forex – rund um die Uhr, aber nicht immer gleich aktiv
Beim Forex-Markt sieht es noch einmal anders aus.
Spot-Forex besitzt keine zentrale Börse und wird während der Arbeitswoche praktisch rund um die Uhr über verschiedene Finanzzentren gehandelt.
Dabei wandert die Aktivität vereinfacht gesagt durch:
Asien → Europa → Amerika.
Besonders wichtig ist London.
Die BIS beschreibt London und New York als die zentralen Standorte des weltweiten FX-Handels und weist darauf hin, dass die Liquidität typischerweise rund um die Londoner Eröffnung und insbesondere während der Überschneidung von London und New York besonders hoch ist.
Für EUR/USD ist diese Überschneidung beispielsweise wesentlich interessanter als eine sehr ruhige Nachtphase.
Bei:
USD/JPY
kann dagegen die asiatische Handelszeit stärker relevant sein.
Damit gibt es auch beim Forex nicht einfach:
die beste Handelszeit für alle Währungspaare.
Sie hängt vom gehandelten Paar ab.
Ruhige Handelszeiten sind nicht automatisch sicherer
Das finde ich besonders wichtig.
Wenig Bewegung sieht zunächst sicher aus.
Aber eine ruhige Handelszeit kann gleichzeitig bedeuten:
weniger Liquidität.
Dann reicht möglicherweise eine relativ kleine Order, um den Kurs stärker zu bewegen.
Oder eine überraschende Nachricht trifft auf ein dünnes Orderbuch.
Der Markt springt.
Deshalb gilt:
Geringe Volatilität und hohe Liquidität sind zwei verschiedene Dinge.
Ein Markt kann ruhig und liquide sein.
Er kann aber auch ruhig aussehen, weil momentan einfach kaum jemand handelt.
Stopps bei kleinen Periodenbewegungen
Wenn die Punktedifferenzen in einer sehr ruhigen Handelsphase extrem klein werden, kann ein ständiges Nachziehen des Stops wenig Sinn ergeben.
Angenommen, der Markt bewegt sich nur wenige Ticks.
Ich ziehe meinen Stop nach jeder kleinen Bewegung hinterher.
Dann befinden sich Stop und aktueller Kurs irgendwann praktisch direkt nebeneinander.
Eine einzige normale Order reicht aus und ich werde ausgestoppt.
Besonders nach Ende der dazugehörigen Kassamarktsitzung sollte ich deshalb prüfen:
Ist die Marktstruktur überhaupt noch aussagekräftig genug für meine Strategie?
Ist genügend Volumen vorhanden?
Ist der Spread weiterhin normal?
Ist mein Stopabstand größer als das normale Marktrauschen?
Futures – mehrere Tradingstrategien auf demselben Markt
Futures finde ich für dieses Thema besonders interessant, weil derselbe Markt gleichzeitig mit mehreren Strategien betrachtet werden kann.
Nehmen wir beispielsweise den:
Micro E-mini S&P 500 Future.
Ich könnte theoretisch drei voneinander getrennte Strategien entwickeln.
Strategie 1 – Trendhandel
Zeiteinheit:
beispielsweise 60 Minuten.
Ich suche:
höhere Hochs und höhere Tiefs.
Ich steige nach einer passenden Korrektur ein.
Mein Stop orientiert sich an der größeren Trendstruktur.
Ziel:
möglichst lange am Trend teilnehmen.
Ich akzeptiere dabei größere Rücksetzer.
Strategie 2 – Bewegungshandel
Zeiteinheit:
beispielsweise 5 oder 15 Minuten.
Ich beobachte innerhalb desselben größeren Trends:
Bewegung → Korrektur → neue Bewegung.
Ich versuche gezielt die nächste Bewegungsphase mitzunehmen.
Mein Stop kann enger sein, weil meine Tradingidee wesentlich kurzfristiger ausgelegt ist.
Ziel:
nicht den gesamten Trend, sondern eine definierte Bewegung handeln.
Strategie 3 – Ausbruchshandel
Ich beobachte beispielsweise:
- Tageshoch,
- Vortageshoch,
- Punkt 2,
- klaren Widerstand,
- Opening Range.
Durchbricht der Markt diese Struktur mit entsprechendem Handelsinteresse, steige ich ein.
Mein Stop liegt so, dass ein klar gescheiterter Ausbruch die Position beendet.
Ziel:
Beschleunigung unmittelbar nach dem Ausbruch handeln.
Kann man alle drei Strategien gleichzeitig handeln?
Grundsätzlich:
Ja – aber nur, wenn sie wirklich getrennte Regelwerke besitzen.
Das finde ich sehr interessant.
Der gleiche Future kann gleichzeitig:
im Tageschart:
Long-Trend
zeigen,
im 15-Minuten-Chart:
eine Abwärtskorrektur
haben
und im 1-Minuten-Chart:
einen neuen Ausbruch nach oben
bilden.
Damit könnte ich theoretisch mehrere unterschiedliche Strategien auf denselben Markt entwickeln.
Aber genau hier entsteht eine wichtige Gefahr.
Wenn ich einfach spontan zwischen den Strategien wechsle, habe ich keine drei Strategien.
Ich habe:
Chaos.
Jede Strategie braucht ihr eigenes Regelwerk
Für jede Strategie müsste ich separat definieren:
Trendstrategie
Einstieg
Stop
Zeiteinheit
Trailing-Regel
Ausstieg
Bewegungsstrategie
Einstieg
Stop
Bewegungsziel
Zeiteinheit
Gewinnmitnahme
Ausbruchsstrategie
Definition des Ausbruchs
Trigger
Stop
False-Breakout-Regel
Ausstieg
Danach könnte ich jede Strategie einzeln backtesten.
Erst wenn ich weiß:
Wie funktioniert Strategie A?
Wie funktioniert Strategie B?
Wie funktioniert Strategie C?
kann ich beurteilen, ob es Sinn ergibt, sie gleichzeitig einzusetzen.
Achtung bei Futures: Positionen können sich gegenseitig verrechnen
Das ist technisch ebenfalls wichtig.
Wenn ich im exakt gleichen Futures-Kontrakt:
Strategie A:
1 Kontrakt Long
und Strategie B:
1 Kontrakt Short
eröffne, zeigt mir mein Broker je nach Kontomodell möglicherweise nicht zwei unabhängige Strategien.
Die Positionen können sich schlicht zu:
0 Kontrakten netto
verrechnen.
Deshalb muss ein professioneller Trader die Strategien in seiner eigenen Auswertung beziehungsweise gegebenenfalls in getrennten Konten oder Strategieinstanzen sauber auseinanderhalten.
Noch wichtiger ist das Gesamtrisiko.
Wenn:
Trendstrategie Long,
Bewegungsstrategie Long
und:
Ausbruchsstrategie Long
gleichzeitig aktiv sind, habe ich nicht drei unabhängige Trades.
Ich habe möglicherweise einfach:
dreimal Long-Risiko auf denselben Markt.
Das muss in der gesamten Positionsgröße berücksichtigt werden.
Warum mehrere Strategien trotzdem interessant sein können
Richtig aufgebaut kann genau diese Kombination aber sinnvoll sein.
Eine Trendstrategie funktioniert gut bei längeren sauberen Trends.
Eine Ausbruchsstrategie kann von starken neuen Bewegungen profitieren.
Eine Bewegungsstrategie konzentriert sich stärker auf einzelne Marktphasen.
Damit reagieren die Strategien unterschiedlich auf Marktbedingungen.
Das Ziel sollte aber niemals sein:
Je mehr Strategien, desto mehr Trades.
Sondern:
Mehrere klar definierte Möglichkeiten besitzen, unterschiedliche Marktstrukturen zu handeln.
Was ich bei Stopps mitnehme
Je mehr ich mich mit Stopps beschäftige, desto deutlicher wird mir:
Ein Stop ist kein einfacher roter Strich auf dem Chart.
Er ist das Ergebnis meiner gesamten Tradingidee.
Ich muss vorher wissen:
Was handle ich überhaupt?
Trend?
Bewegung?
Ausbruch?
Danach:
Welche Zeiteinheit gehört zu dieser Idee?
Wo wird meine Annahme ungültig?
Wie volatil ist der Markt?
Wie liquide ist der Markt gerade?
Zu welcher Handelszeit befinde ich mich?
Liegt ein Außenstab vor?
Befinde ich mich möglicherweise mitten in Innenstäben?
Liegt eine Kurslücke vor?
Ist mein Stop markttechnisch sinnvoll oder nur psychologisch angenehm?
Erst danach sollte die eigentliche Stopposition entstehen.
Für mich ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis:
Nicht zuerst bestimmen, wie viel Abstand mein Stop haben soll. Zuerst bestimmen, wo meine Tradingidee falsch wird.
Danach kann ich über die Positionsgröße bestimmen, wie viel Geld ich tatsächlich riskiere.
Und genau darin liegt der Unterschied zwischen:
„Ich hoffe, dass mein Trade funktioniert.“
und:
„Ich weiß bereits vor meinem Einstieg, was ich mache, wenn er nicht funktioniert.“
Die eigentliche Qualität eines Traders zeigt sich deshalb wahrscheinlich nicht nur darin, wie gut er einen Einstieg findet.
Sie zeigt sich besonders darin, wie kontrolliert er mit einem falschen Einstieg umgeht.