Trading Notizen 1 – Liquidität einer Aktie.

Wer Daytrading betreibt, für den ist dieser Punkt besonders wichtig: die Liquidität einer Aktie.

Denn eine gut gehandelte Aktie oder ein Future hat einen sehr flüssigen und besser berechenbaren Kursverlauf. Eine wenig gehandelte Aktie kann dagegen bereits durch wenige Orders eine große Kursveränderung erhalten. Bereits bei sehr wenigen Orders kann eine solche Aktie eine Kursveränderung machen, die einem unerfahrenen Trader den Tag versauen kann.

Eine der liquidesten Instrumente an der Börse, die besonders gut für Anfänger zu traden sind, sind zum Beispiel große Futures wie der Bund-Future. Der Kurs solcher Instrumente wird sehr regelmäßig und sekundenschnell durch Angebot und Nachfrage gebildet. Dadurch ist die Gefahr geringer, dass sich der Kurs plötzlich durch eine einzelne größere Order stark in eine Richtung verändert.

Besonders für eine Market Order sind solche liquiden Instrumente von Vorteil. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Order ungefähr zu dem aktuell angezeigten Kurs ausgeführt wird, ist bei einem sehr liquiden Markt wesentlich höher.

Mit solchen liquiden Instrumenten hat man außerdem ein geringeres Risiko, dass man eine Position vor Handelsschluss nicht mehr oder nur zu einem deutlich schlechteren Kurs schließen kann. Bei einem sehr liquiden Markt ist genügend Nachfrage vorhanden, sodass normalerweise jederzeit Käufer und Verkäufer vorhanden sind.

Was bedeutet Liquidität überhaupt?

Liquidität bedeutet im Trading im Grunde, wie einfach man ein Finanzinstrument kaufen oder verkaufen kann, ohne dadurch den Kurs selbst stark zu beeinflussen.

Dabei geht es nicht nur darum, wie viele Aktien insgesamt existieren. Entscheidend ist vor allem, wie viele Kauf- und Verkaufsorders zu den verschiedenen Kursen im Markt liegen.

Man kann sich das sehr einfach vorstellen:

Eine Aktie steht aktuell bei 100 €.

Bei einer sehr liquiden Aktie könnte das Orderbuch beispielsweise ungefähr so aussehen:

VerkaufsordersKurs
500 Aktien100,01 €
2.000 Aktien100,02 €
5.000 Aktien100,03 €
10.000 Aktien100,04 €

Auf der Käuferseite befinden sich ebenfalls sehr viele Orders.

Wenn ich nun 100 Aktien kaufen möchte, ist das kein großes Problem. Meine Order kann fast vollständig bei ungefähr 100,01 € ausgeführt werden. Ich selbst bewege den Markt praktisch überhaupt nicht.

Bei einer wenig liquiden Aktie kann es dagegen ganz anders aussehen.

Nehmen wir wieder einen Kurs von 100 €. Im Orderbuch befinden sich aber nur wenige Verkäufer:

VerkaufsordersKurs
20 Aktien100,00 €
30 Aktien100,50 €
50 Aktien102,00 €
100 Aktien105,00 €

Jetzt möchte jemand plötzlich 100 Aktien kaufen.

Die ersten 20 Aktien bekommt er für 100 €. Danach muss er bereits 30 Aktien für 100,50 € kaufen. Für die nächsten 50 Aktien muss er sogar 102 € bezahlen.

Obwohl auf dem Bildschirm vorher vielleicht noch 100 € als aktueller Kurs angezeigt wurde, beträgt der tatsächliche Durchschnittspreis der Order bereits deutlich mehr.

Das nennt man Slippage.

Slippage – ein wichtiges Risiko beim Daytrading

Slippage bedeutet, dass eine Order zu einem schlechteren Kurs ausgeführt wird als ursprünglich erwartet.

Das ist besonders bei einer Market Order wichtig.

Beispiel:

Du siehst:

Aktueller Kurs: 100 €

Du gibst eine Market Order über 1.000 Aktien ein.

Bei einer sehr liquiden Aktie könnte die Ausführung beispielsweise so aussehen:

100,01 €

Du hast also praktisch genau den Kurs bekommen, den du erwartet hast.

Bei einer wenig liquiden Aktie könnte deine Order dagegen so ausgeführt werden:

  • 100 Aktien bei 100,00 €
  • 200 Aktien bei 100,20 €
  • 300 Aktien bei 100,80 €
  • 400 Aktien bei 101,50 €

Der durchschnittliche Einstiegskurs liegt dann deutlich über 100 €.

Das Problem wird besonders groß, wenn du nur einen kleinen Gewinn erzielen möchtest.

Angenommen, du möchtest bei einem Trade 200 € Gewinn machen.

Bei einer liquiden Aktie kannst du vielleicht relativ präzise einsteigen und aussteigen.

Bei einer illiquiden Aktie können dagegen schon 50–100 € Slippage beim Einstieg und noch einmal 50–100 € beim Verkauf entstehen.

Damit ist ein großer Teil deines erwarteten Gewinns bereits verschwunden, bevor sich der Kurs überhaupt in deine gewünschte Richtung bewegt.

Liquidität bedeutet nicht, dass der Kurs nicht stark steigen oder fallen kann

Hier muss man allerdings einen wichtigen Punkt unterscheiden.

Eine liquide Aktie bedeutet nicht, dass sie wenig volatil ist.

Eine Aktie kann extrem liquide sein und trotzdem innerhalb weniger Minuten beispielsweise 5 % steigen oder fallen.

Der Unterschied besteht darin, wie leicht große Orders den Kurs beeinflussen können.

Nehmen wir zwei Aktien:

Aktie A

  • sehr hohe Liquidität
  • Millionen Aktien werden täglich gehandelt
  • sehr viele Käufer und Verkäufer
  • enges Orderbuch
  • geringe Spreads

Aktie B

  • geringe Liquidität
  • nur wenige Aktien werden täglich gehandelt
  • wenige Käufer und Verkäufer
  • dünnes Orderbuch
  • größere Spreads

Wenn plötzlich ein Käufer für 1 Mio. € auftaucht, kann Aktie A diesen Auftrag möglicherweise problemlos aufnehmen.

Bei Aktie B kann dieselbe Order dagegen den Kurs massiv nach oben treiben.

Genau deshalb kann eine wenig gehandelte Aktie für einen unerfahrenen Daytrader gefährlich werden.

Der Spread ist ebenfalls wichtig

Ein weiterer Punkt bei der Liquidität ist der Spread.

Der Spread ist die Differenz zwischen dem besten Kaufkurs und dem besten Verkaufskurs.

Beispiel bei einem liquiden Instrument:

Bid: 100,00 €
Ask: 100,01 €

Spread:

0,01 €

Bei einem weniger liquiden Instrument könnte es dagegen so aussehen:

Bid: 99,50 €
Ask: 100,50 €

Spread:

1,00 €

Wenn du bei 100,50 € kaufst und theoretisch sofort wieder verkaufst, bekommst du nur 99,50 €.

Du hast also allein durch den Spread bereits 1 € Verlust pro Aktie.

Bei 1.000 Aktien wären das:

1.000 €

Noch bevor sich der Markt überhaupt bewegt hat.

Deshalb ist für Daytrader nicht nur wichtig, welches Instrument sie handeln, sondern auch wie liquide es zu diesem Zeitpunkt tatsächlich ist.

Warum der Bund-Future interessant ist

Der Bund-Future ist ein gutes Beispiel für ein sehr liquides Futures-Instrument. Er bezieht sich auf deutsche Bundesanleihen und wird an der Terminbörse Eurex gehandelt.

Für einen Trader ist dabei interessant, dass sehr viele Marktteilnehmer gleichzeitig handeln. Dadurch entsteht ein tiefes Orderbuch mit vielen Kauf- und Verkaufsorders.

Das macht die Preisbildung normalerweise wesentlich kontinuierlicher als bei einem sehr kleinen, wenig gehandelten Wert.

Aber auch hier gilt:

Liquidität bedeutet nicht Sicherheit.

Auch der Bund-Future kann sich schnell bewegen. Nachrichten über Inflation, Zinsen, die Europäische Zentralbank oder die amerikanische Notenbank können den Anleihemarkt stark beeinflussen.

Der Vorteil der Liquidität liegt also nicht darin, dass der Kurs nicht fällt.

Der Vorteil liegt darin, dass der Markt solche Bewegungen normalerweise mit sehr vielen Orders verarbeitet.

Warum Market Orders bei Liquidität besonders interessant sind

Eine Market Order bedeutet vereinfacht gesagt:

„Kaufe oder verkaufe jetzt zum bestmöglichen verfügbaren Preis.“

Dabei garantiert eine Market Order aber grundsätzlich nicht den angezeigten Kurs.

Das ist ein sehr wichtiger Punkt.

Wenn der Markt beispielsweise 100,00 € anzeigt, kann deine Market Order bei 100,01 €, 100,05 € oder bei einer sehr schnellen Bewegung sogar noch deutlich höher ausgeführt werden.

Je liquider der Markt ist und je enger das Orderbuch, desto größer ist normalerweise die Wahrscheinlichkeit, dass die Ausführung sehr nahe am angezeigten Kurs liegt.

Deshalb ist die Aussage genauer:

Bei sehr liquiden Instrumenten ist das Risiko einer starken Slippage bei Market Orders normalerweise deutlich geringer.

Das ist für Daytrader wichtig, weil man bei vielen Trades nicht nur auf die Richtung des Marktes achten muss.

Man muss auch auf die Kosten des Ein- und Ausstiegs achten.

Ein kleines Rechenbeispiel

Stell dir vor, du machst jeden Tag 5 Trades.

Bei einem liquiden Instrument entstehen durch Spread und Slippage durchschnittlich nur:

5 € pro Trade

Dann entstehen bei 5 Trades:

5 × 5 € = 25 € pro Tag

Bei 20 Handelstagen:

20 × 25 € = 500 € pro Monat

Jetzt handelst du stattdessen ein wenig liquides Instrument und hast durchschnittlich:

25 € Kosten pro Trade

Dann:

5 × 25 € = 125 € pro Tag

Bei 20 Handelstagen:

20 × 125 € = 2.500 € pro Monat

Der Unterschied beträgt:

2.000 € pro Monat.

Das zeigt, warum Liquidität beim Daytrading nicht nur eine technische Eigenschaft des Marktes ist. Sie kann einen direkten Einfluss darauf haben, ob eine Tradingstrategie überhaupt wirtschaftlich funktioniert.

Liquidität beim Schließen einer Position

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Schließen einer Position.

Wenn du beispielsweise eine Position über 20.000 € hast, möchtest du nicht nur problemlos einsteigen können.

Du musst auch sicherstellen, dass du wieder herauskommst.

Das wird besonders wichtig, wenn sich der Markt plötzlich gegen dich bewegt.

Bei einem liquiden Instrument findest du normalerweise schnell einen Gegenpart.

Bei einem illiquiden Instrument kann dagegen folgende Situation entstehen:

Du kaufst für 20.000 €.

Der Kurs fällt plötzlich.

Du möchtest verkaufen.

Aber es gibt zu deinem gewünschten Kurs nicht genügend Käufer.

Dann musst du deine Verkaufsorder möglicherweise immer weiter nach unten setzen, bis genügend Käufer vorhanden sind.

Das kann dazu führen, dass aus einem ursprünglich geplanten Verlust von beispielsweise 200 € plötzlich 500 € oder 1.000 € werden.

Deshalb sollte ein Trader nicht nur fragen:

„Kann ich diese Position kaufen?“

Sondern auch:

„Kann ich diese Position jederzeit wieder verkaufen?“

Das ist ein sehr wichtiger Unterschied.

Was ich daraus für mein Trading mitnehme

Für mich bedeutet das:

Vor einem Daytrading-Trade sollte ich nicht nur auf das Chartbild schauen.

Ich sollte zuerst prüfen, ob das Instrument überhaupt ausreichend liquide ist.

Wichtige Punkte sind:

  • Wie hoch ist das tägliche Handelsvolumen?
  • Wie eng ist der Bid-Ask-Spread?
  • Wie tief ist das Orderbuch?
  • Wie viele Orders liegen nahe am aktuellen Kurs?
  • Wie hoch ist die typische Slippage?
  • Gibt es genügend Käufer und Verkäufer?
  • Kann ich meine Position schnell wieder schließen?
  • Gibt es Nachrichten, die kurzfristig starke Bewegungen verursachen können?

Ein schönes Chartbild alleine bedeutet also noch lange nicht, dass ein Instrument gut zum Daytrading geeignet ist.

Liquidität ist eine der Grundlagen des Risikomanagements.

Je größer meine Position und je kürzer mein Anlagehorizont ist, desto wichtiger wird dieser Punkt.

Bei einem langfristigen Investor kann eine Aktie mit geringerer Liquidität unter Umständen weniger problematisch sein, weil er die Position vielleicht über mehrere Jahre hält.

Beim Daytrader sieht die Situation völlig anders aus.

Der Daytrader muss innerhalb von Minuten oder manchmal sogar Sekunden ein- und aussteigen können.

Deshalb sollte die Frage nicht nur lauten:

„Wo kann ich Geld verdienen?“

Sondern zuerst:

„Wie gut kann ich in diesem Markt kaufen und wieder verkaufen?“

Denn ein Gewinn auf dem Chart ist nur dann ein tatsächlicher Gewinn, wenn die Position auch zu einem vernünftigen Preis ausgeführt und wieder geschlossen werden kann.

TRADING SPICKZETTEL 1

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