Ein Thema, dass ich zum späteren Zeitpunkt etwas tiefer eingehe und jetzt in dem Artikel ein mal sportlich erklähren lasse.
Man kann eine gleiche Aktie kaufen und verkaufen, und das in kürzester Zeit auf verschiedenen Börsen. Der Kurs kann dabei auf verschiedenen Börsen um wenige Punkte unterschiedlich sein. Das hat damit zu tun, dass an jeder Börse der Kurs etwas anders durch Angebot und Nachfrage der Aktie entsteht, die an diesem Handelsplatz gehandelt wird.
In Europa gibt es verschiedene Börsenplätze. Das kann dazu führen, dass man in derselben Sekunde auf Xetra einen anderen Aktienkurs sieht als beispielsweise in Frankfurt.
Diese kleinen Kursunterschiede nutzen erfahrene Trader dazu, durch Arbitrage-Trading Kursgewinne zu erzielen.
Arbitrage-Trading erfordert eine hervorragende Technik, damit man diese minimalen Kursschwankungen live lokalisieren und für das Trading ausnutzen kann.
Um aus minimalen Preisdifferenzen einen Gewinn zu machen, kann auch ein Trading mit Hebel eingesetzt werden. Das kann aber gleichzeitig ein zusätzliches Risiko bedeuten. Je höher der Hebel, desto schneller kann man bei einer ungünstigen Bewegung einen Margin Call erhalten, wenn die Position nicht ausreichend abgesichert ist.
Was bedeutet Arbitrage eigentlich?
Arbitrage bedeutet vereinfacht gesagt:
Das gleiche oder wirtschaftlich gleichwertige Finanzinstrument wird gleichzeitig an unterschiedlichen Märkten zu unterschiedlichen Preisen gehandelt.
Der Trader versucht, dort zu kaufen, wo der Preis niedriger ist, und gleichzeitig dort zu verkaufen, wo der Preis höher ist.
Ein einfaches Beispiel:
Eine Aktie kostet auf Börse A:
100,00 €
Auf Börse B:
100,08 €
Dann beträgt der Preisunterschied:
0,08 €
Ein Arbitrage-Trader könnte theoretisch:
Börse A → kaufen für 100,00 €
und gleichzeitig:
Börse B → verkaufen für 100,08 €
Der theoretische Unterschied beträgt:
0,08 € pro Aktie.
Bei 10.000 Aktien wären das:
10.000 × 0,08 € = 800 €
Das sieht auf den ersten Blick nach einem sehr einfachen Geschäft aus.
In der Realität ist es aber wesentlich komplizierter.
Denn von den 800 € müssen unter anderem Handelsgebühren, Börsenentgelte, Finanzierungskosten und eventuell weitere Kosten abgezogen werden.
Und noch wichtiger:
Der Kursunterschied muss überhaupt lange genug bestehen bleiben, damit beide Orders ausgeführt werden können.
Warum entstehen überhaupt Preisunterschiede?
Wenn überall auf der Welt dieselbe Aktie gehandelt wird, könnte man sich fragen:
Warum sollte die Aktie nicht überall exakt gleich viel kosten?
Theoretisch würde man erwarten, dass der Preis sofort angeglichen wird.
Und genau das passiert auch häufig.
Wenn ein Trader sieht:
Börse A: 100,00 €
Börse B: 100,10 €
kann er auf A kaufen und auf B verkaufen.
Dadurch steigt die Nachfrage auf A und das Angebot auf B.
Der Preis auf A steigt und der Preis auf B fällt.
Die Differenz wird dadurch kleiner.
Dieser Prozess gehört zur Price Discovery und zur Angleichung von Preisen zwischen Märkten.
Aber diese Angleichung passiert nicht immer sofort.
Es können Millisekunden oder Sekunden entstehen, in denen unterschiedliche Preise vorhanden sind.
Und genau diese kleinen Zeitfenster interessieren professionelle Arbitrage-Trader.
Ein wichtiger Punkt: Nicht jede Kursdifferenz ist Arbitrage
Hier muss ich beim Trading sehr vorsichtig sein.
Wenn ich sehe:
Börse A: 100,00 €
Börse B: 100,10 €
bedeutet das nicht automatisch, dass ich 0,10 € risikolos verdienen kann.
Vielleicht kann ich auf Börse A tatsächlich für 100,00 € kaufen.
Aber auf Börse B stehen nur 50 Aktien bei 100,10 € zum Verkauf.
Meine gewünschte Order umfasst aber 10.000 Aktien.
Dann bekomme ich vielleicht nur 50 Aktien zu 100,10 €.
Die nächsten Verkäufer verlangen:
100,15 €
100,20 €
100,30 €
Damit verschwindet ein großer Teil der vermeintlichen Arbitrage bereits durch die verfügbare Liquidität.
Deshalb ist nicht nur der angezeigte Preis wichtig.
Ich muss auch wissen:
Wie viele Aktien kann ich tatsächlich zu diesem Preis handeln?
Genau hier kommt wieder das Thema aus meiner vorherigen Notiz ins Spiel:
Liquidität.
Orderbuch und Arbitrage
Für Arbitrage-Trading ist deshalb das Orderbuch besonders wichtig.
Angenommen:
Börse A
Ask
100,00 € → 10.000 Aktien
Börse B
Bid
100,08 € → 8.000 Aktien
Jetzt gibt es theoretisch eine Differenz von:
0,08 €
Aber nur für ungefähr 8.000 Aktien kann ich diese Differenz tatsächlich nutzen, wenn ich gleichzeitig kaufen und verkaufen möchte.
Bei 8.000 Aktien wären das:
8.000 × 0,08 € = 640 €
Davon müssen noch die tatsächlichen Kosten abgezogen werden.
Wenn meine gesamten Kosten beispielsweise 300 € betragen, bleiben:
640 € – 300 € = 340 €
Das zeigt sehr deutlich:
Eine kleine Preisabweichung alleine bedeutet noch keinen Gewinn.
Entscheidend ist:
Preisunterschied × handelbares Volumen – sämtliche Kosten.
Die Geschwindigkeit ist bei Arbitrage extrem wichtig
Ein weiterer Punkt macht Arbitrage-Trading so schwierig:
Geschwindigkeit.
Wenn eine Preisabweichung beispielsweise nur für 50 Millisekunden besteht, kann ein Mensch diese Gelegenheit praktisch nicht manuell handeln.
Deshalb arbeiten professionelle Marktteilnehmer mit sehr schnellen Computersystemen und automatisierten Algorithmen.
Das System beobachtet gleichzeitig mehrere Handelsplätze.
Beispielsweise:
Xetra
Frankfurt
London
Paris
Amsterdam
und weitere Handelsplätze.
Wenn das System eine handelbare Preisabweichung erkennt, kann es automatisch versuchen, beide Seiten der Transaktion auszuführen.
Die Geschwindigkeit der Datenverbindung und der Orderausführung wird dadurch zu einem entscheidenden Faktor.
Eurex stellt beispielsweise für professionelle Marktteilnehmer hochperformante Marktdaten- und Handelsschnittstellen bereit. Die Enhanced Order Book Interface liefert unter anderem Informationen über sichtbare Orders, Preise, Prioritäten und ausgeführte Trades.
Das zeigt, wie technisch anspruchsvoll professionelles Arbitrage-Trading geworden ist.
Der entscheidende Unterschied: Arbitrage gegen normales Trading
Wenn ich eine Aktie kaufe, weil ich glaube, dass sie von 100 € auf 110 € steigt, mache ich eine Richtungswette.
Ich habe eine Meinung:
Der Kurs wird steigen.
Wenn der Kurs stattdessen auf 95 € fällt, verliere ich Geld.
Bei einer klassischen Arbitrage-Position versuche ich dagegen, beide Seiten gleichzeitig zu handeln.
Beispielsweise:
Börse A: kaufen
und
Börse B: verkaufen
Wenn sich die Preise anschließend angleichen, kann ich beide Positionen schließen.
Das bedeutet:
Ich möchte möglichst wenig davon abhängig sein, ob der gesamte Markt steigt oder fällt.
Das ist ein ganz wesentlicher Unterschied.
Beispiel für eine Arbitrage ohne große Richtungswette
Aktie XYZ:
Börse A: 100,00 €
Börse B: 100,10 €
Ich kaufe 1.000 Aktien auf A:
1.000 × 100 € = 100.000 €
Gleichzeitig verkaufe ich 1.000 Aktien auf B:
1.000 × 100,10 € = 100.100 €
Theoretischer Unterschied:
100 €
Jetzt passiert etwas Interessantes.
Die Aktie steigt anschließend auf beiden Börsen auf 105 €.
Meine Kaufposition auf A:
+5.000 €
Meine Short-Position auf B:
–4.900 €
Gesamtergebnis:
+100 €
Die Aktie ist also um 5 % gestiegen.
Trotzdem habe ich nicht einfach auf steigende Kurse gewettet.
Meine beiden Positionen haben sich weitgehend gegenseitig abgesichert.
Das ist der eigentliche Gedanke hinter vielen Arbitrage-Strategien.
Warum Hebel nicht automatisch besser ist
Hier würde ich meine ursprüngliche Aussage etwas vorsichtiger formulieren.
Ein hoher Hebel macht Arbitrage nicht automatisch profitabler.
Wenn meine Arbitrage beispielsweise einen theoretischen Gewinn von:
0,10 € pro Aktie
liefert, verändert ein Hebel nicht den Preisunterschied selbst.
Der Hebel ermöglicht mir lediglich, mit weniger eigenem Kapital eine größere Position zu kontrollieren.
Beispiel:
Ich möchte eine Position von:
100.000 €
handeln.
Ohne Hebel müsste ich theoretisch 100.000 € Kapital einsetzen.
Bei einem Hebel von 5 könnte die erforderliche Margin beispielsweise wesentlich geringer sein.
Aber:
Der Gewinn wird nicht plötzlich risikolos.
Wenn die beiden Seiten der Arbitrage nicht gleichzeitig ausgeführt werden oder sich die Preisbeziehung unerwartet verändert, kann eine gehebelte Position sehr schnell Verluste erzeugen.
Besonders gefährlich wird es, wenn nur eine Seite ausgeführt wird.
Das größte praktische Risiko: Leg Risk
Das nennt man häufig Leg Risk.
Nehmen wir an:
Ich möchte gleichzeitig kaufen und verkaufen.
Meine Kauforder wird ausgeführt.
Aber meine Verkaufsorder wird nicht ausgeführt.
Jetzt habe ich plötzlich nur die Kaufposition.
Damit bin ich wieder dem normalen Marktrisiko ausgesetzt.
Wenn die Aktie danach beispielsweise 2 % fällt, verliere ich Geld.
Bei einer Position von:
100.000 €
entsprechen 2 %:
2.000 € Verlust.
Wenn zusätzlich Hebel verwendet wurde, kann das verfügbare Kapital sehr schnell belastet werden.
Deshalb ist die technische Fähigkeit, beide Seiten einer Arbitrage möglichst gleichzeitig auszuführen, extrem wichtig.
Welche Technik benötigt man für Arbitrage?
Wenn ich diese Technik wirklich perfektionieren möchte, würde ich die Analyse in mehrere Ebenen aufteilen.
1. Echtzeit-Marktdaten
Ich brauche möglichst aktuelle Bid- und Ask-Preise verschiedener Handelsplätze.
Nicht nur den letzten Kurs.
Denn der letzte gehandelte Kurs kann bereits veraltet sein.
Für Arbitrage sind besonders wichtig:
Bid
Ask
Bid-Volumen
Ask-Volumen
Timestamp
Handelsvolumen
und möglichst die Orderbuchtiefe.
Eurex beschreibt beispielsweise sein zentrales Limit-Orderbuch als Kern des Marktmodells, in dem Orders und Quotes gesammelt und nach den Matching-Regeln ausgeführt werden.
2. Vergleich mehrerer Handelsplätze
Ich würde eine Software verwenden, die mehrere Börsen gleichzeitig überwachen kann.
Zum Beispiel:
| Handelsplatz | Bid | Ask |
|---|---|---|
| Xetra | 99,98 € | 100,00 € |
| Frankfurt | 99,95 € | 100,03 € |
| Paris | 99,97 € | 100,01 € |
| Amsterdam | 99,96 € | 100,02 € |
Dann kann ein Programm automatisch suchen:
Wo ist der günstigste Ask?
und gleichzeitig:
Wo ist der höchste Bid?
Wenn der Abstand nach Abzug aller Kosten groß genug ist, entsteht möglicherweise eine Arbitrage-Gelegenheit.
3. Transaktionskosten müssen automatisch berechnet werden
Das ist einer der wichtigsten Punkte.
Wenn ich einen Preisunterschied von:
0,05 €
sehe, heißt das noch lange nicht, dass ich 0,05 € Gewinn mache.
Ich muss beispielsweise berücksichtigen:
- Brokergebühren
- Börsengebühren
- Clearingkosten
- Spread
- Slippage
- Finanzierungskosten
- Leihkosten bei Short-Positionen
- Währungsumrechnung
- eventuell Steuern
- Kosten für Echtzeit-Marktdaten
Erst danach weiß ich, ob überhaupt ein echter Arbitrage-Gewinn vorhanden ist.
4. Ein Arbitrage-Scanner
Wenn ich diese Strategie professionell betreiben möchte, wäre ein sogenannter Arbitrage Scanner interessant.
Das Programm könnte beispielsweise alle paar Millisekunden prüfen:
Aktie XYZ
Xetra Ask:
100,00 €
Frankfurt Bid:
100,08 €
Differenz:
0,08 €
Volumen:
8.000 Aktien
Geschätzte Kosten:
0,03 €
Verbleibende Differenz:
0,05 €
Dann könnte das System entscheiden:
Arbitrage interessant → Orders senden.
Das ist bereits deutlich näher an professionellem algorithmischem Trading als an klassischem Chart-Trading.
Was ich aus Arbitrage Trading mitnehme
Arbitrage zeigt mir noch einmal sehr deutlich, wie wichtig das Verständnis von Angebot und Nachfrage ist.
Der gleiche Vermögenswert kann an verschiedenen Handelsplätzen kurzfristig unterschiedliche Preise haben.
Professionelle Marktteilnehmer versuchen diese Unterschiede zu erkennen und auszunutzen.
Dadurch werden die Märkte gleichzeitig effizienter.
Denn wenn beispielsweise eine Aktie auf einem Handelsplatz zu billig ist, kaufen Arbitrageure dort.
Wenn sie gleichzeitig auf einem anderen Handelsplatz teurer ist, verkaufen sie dort.
Dadurch wird der Preisunterschied kleiner.
Arbitrageure helfen damit selbst dabei, Preisunterschiede zwischen Märkten wieder zu schließen.
Das ist ein interessanter Kreislauf:
Preisunterschied → Arbitrageure erkennen ihn → kaufen billig → verkaufen teuer → Preisunterschied wird kleiner.
Deshalb verschwinden echte Arbitrage-Gelegenheiten auf sehr liquiden Märkten oft extrem schnell.
Kassamarkt und Terminmarkt
Um Arbitrage richtig zu verstehen, muss ich außerdem den Unterschied zwischen Kassamarkt und Terminmarkt verstehen.
Diese beiden Begriffe sind beim Trading sehr wichtig.
Kassamarkt
Der Kassamarkt wird auch Spotmarkt genannt.
Hier kaufe oder verkaufe ich einen Vermögenswert zum aktuellen Marktpreis.
Vereinfacht:
Heute kaufen → aktueller Preis → Abwicklung nach den geltenden Marktregeln.
Wenn ich beispielsweise eine Aktie für:
100 €
kaufe, kaufe ich die Aktie selbst.
Ich besitze anschließend diese Aktie.
Der Kassamarkt ist also der klassische Markt für beispielsweise:
- Aktien
- viele Anleihen
- Währungen im Spotgeschäft
- Rohstoffe im physischen bzw. Spotgeschäft
Bei einer Aktie bedeutet das:
Ich kaufe die Aktie selbst.
Terminmarkt
Beim Terminmarkt handle ich dagegen einen Vertrag, dessen Erfüllung beziehungsweise Abrechnung sich auf einen zukünftigen Zeitpunkt oder eine zukünftige Verpflichtung bezieht.
Dazu gehören beispielsweise:
Futures
und
Optionen.
Ein Futures-Kontrakt kann beispielsweise festlegen, dass ein bestimmter Basiswert zu bestimmten Vertragsbedingungen gehandelt wird.
Beim Bund-Future kaufe ich beispielsweise nicht einfach eine einzelne Bundesanleihe wie auf dem Kassamarkt.
Ich handle einen standardisierten Futures-Kontrakt.
Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Einfaches Beispiel
Stell dir vor, eine Aktie steht heute bei:
100 €
Kassamarkt
Ich kaufe:
1.000 Aktien × 100 € = 100.000 €
Ich besitze die Aktien.
Terminmarkt
Stattdessen kaufe ich einen Futures-Kontrakt auf diese Aktie bzw. einen entsprechenden Index.
Hier muss ich nicht einfach 100.000 € für die vollständige Position bezahlen.
Stattdessen wird eine Margin hinterlegt.
Dadurch entsteht eine Hebelwirkung.
Wenn die zugrunde liegende Position einen Wert von 100.000 € hat und ich beispielsweise 10.000 € Margin hinterlegen muss, kontrolliere ich eine Position mit einem wesentlich höheren Nominalwert als meinem eingesetzten Kapital.
Wenn sich der Basiswert um:
1 %
bewegt, entspricht das bei 100.000 € Nominalwert:
1.000 €
Gewinn oder Verlust.
Auf die 10.000 € hinterlegte Margin bezogen wären das:
10 %
Deshalb sind Futures so interessant, aber gleichzeitig auch riskanter.
Der wichtigste Unterschied
Man kann es für meine Trading-Notizen sehr einfach zusammenfassen:
Kassamarkt:
Ich kaufe oder verkaufe den Vermögenswert selbst zum aktuellen Marktpreis.
Terminmarkt:
Ich handle einen standardisierten Vertrag über einen zugrunde liegenden Vermögenswert bzw. dessen Preisentwicklung.
Beim Terminmarkt kommt deshalb das Thema Margin und Hebel wesentlich stärker ins Spiel.
Eurex bietet beispielsweise zahlreiche börsengehandelte Derivate an und arbeitet mit zentralem Orderbuch sowie Clearing und Margin-basiertem Risikomanagement.
Kassamarkt und Terminmarkt bei Arbitrage
Jetzt wird der Zusammenhang mit Arbitrage besonders interessant.
Ich kann nicht nur verschiedene Börsen miteinander vergleichen.
Ich kann auch den Kassamarkt und Terminmarkt miteinander vergleichen.
Beispielsweise:
Aktie im Kassamarkt: 100 €
entsprechender Futures-Preis: 101 €
Dann muss ich untersuchen:
Warum kostet der Future mehr?
Denn der Futures-Preis ist nicht einfach zufällig höher.
Es können unter anderem Finanzierungskosten, Laufzeit und bei Aktien auch erwartete Dividenden eine Rolle spielen.
Hier entsteht ein eigenes Feld:
Cash-and-Carry-Arbitrage.
Dabei wird versucht, Preisunterschiede zwischen Kassamarkt und Terminmarkt auszunutzen.
Das ist bereits eine deutlich professionellere Form von Arbitrage.
Mein wichtigster Gedanke aus diesem Kapitel
Arbitrage Trading sieht auf den ersten Blick sehr einfach aus:
Billig kaufen → teuer verkaufen → Gewinn.
In der Realität ist es aber eine hoch technische Trading-Disziplin.
Der Preisunterschied muss:
- tatsächlich vorhanden sein,
- ausreichend groß sein,
- lange genug bestehen,
- mit genügend Volumen handelbar sein,
- nach allen Kosten noch profitabel sein,
- möglichst gleichzeitig auf beiden Seiten ausführbar sein.
Deshalb sind Echtzeitdaten, Orderbuch, Geschwindigkeit, automatisierte Systeme und eine sehr genaue Kostenberechnung entscheidend.
Und genau hier schließt sich der Kreis zu meiner vorherigen Notiz über Liquidität.
Je kleiner die Preisunterschiede sind, die ich ausnutzen möchte, desto wichtiger werden:
Liquidität + Geschwindigkeit + Technologie + Kostenkontrolle.
Wenn ich beispielsweise einen Arbitrage-Gewinn von nur 0,02 € pro Aktie erzielen möchte, kann bereits eine Slippage von 0,03 € aus einem geplanten Gewinn einen Verlust machen.
Damit wird klar:
Je kleiner die Gewinnspanne, desto perfekter muss die Technik sein.
Und genau deshalb ist professionelles Arbitrage-Trading eine völlig andere Disziplin als einfach nur eine Aktie zu kaufen, weil man glaubt, dass der Kurs steigen wird.