Ein Aufwärtstrend ist deswegen ansteigend, weil sich steigende Hochs mit gleichzeitig steigenden Tiefs abwechseln.
Das bedeutet: Der Markt erreicht ein neues Hoch, korrigiert anschließend wieder nach unten, fällt dabei aber nicht mehr bis zum vorherigen Tief. Danach steigt der Kurs erneut und bildet im Idealfall ein weiteres höheres Hoch.
Ein Aufwärtstrend besteht somit im klassischen Fall aus:
höheren Hochs + höheren Tiefs.
Bei einem Abwärtstrend funktioniert es genau andersherum. Fallende Tiefs wechseln sich mit gleichzeitig fallenden Hochs ab.
Der Markt erreicht ein neues Tief, erholt sich anschließend etwas, schafft es aber nicht mehr bis zum vorherigen Hoch. Danach setzt sich die Abwärtsbewegung fort und ein weiteres tieferes Tief entsteht.
Ein Abwärtstrend besteht somit aus:
tieferen Tiefs + tieferen Hochs.
Genau dieses Wechselspiel baut einen Trend auf. Ein Trend besteht also nicht daraus, dass ein Kurs einfach nur ohne Unterbrechung nach oben oder unten läuft. Vielmehr wechseln sich Bewegung und Gegenbewegung ständig miteinander ab.
Das ist eine wichtige Erkenntnis.
Denn auch ein starker Aufwärtstrend enthält immer wieder fallende Kursabschnitte. Und genauso gibt es innerhalb eines starken Abwärtstrends immer wieder steigende Kursbewegungen.
Was steckt hinter dem Aufbau eines Trends?
Eine der wichtigen Erkenntnisse aus dem Trendaufbau ist für mich, dass der Kurs einer Aktie – egal ob steigend oder fallend – nicht bloß durch News betrieben wird.
Es handelt sich um ein Zusammenspiel sehr vieler Faktoren.
Einer der wichtigsten Faktoren ist das Handeln selbst.
Der Markt wird ständig durch Institutionen, professionelle Trader, Algorithmen und private Anleger bewegt. Jeder dieser Marktteilnehmer hat andere Ziele, andere Zeiträume und andere Gründe für seinen Einstieg oder Ausstieg.
Genau daraus entsteht der Chart, den wir später auf dem Bildschirm sehen.
Es ist ein Zusammenspiel zwischen:
- verschiedenen Einstiegszeitpunkten,
- unterschiedlichen Anlagehorizonten,
- Gewinnmitnahmen,
- Verlustbegrenzungen,
- Stop-Orders,
- Angst und Panik,
- Gier,
- Portfolio-Umschichtungen,
- institutionellen Käufen und Verkäufen,
- algorithmischem Handel,
- Liquidität,
- Nachrichten und Erwartungen.
Deshalb ist der Chart im Grunde genommen die sichtbare Darstellung aller Entscheidungen, die gerade am Markt getroffen werden.
Institutionelle Anleger, Trader und private Anleger
Interessant wird es, wenn man sich anschaut, wie unterschiedlich diese Gruppen handeln.
Institutionelle Anleger
Institutionelle Marktteilnehmer sind beispielsweise:
- Investmentfonds,
- Pensionsfonds,
- Versicherungen,
- Banken,
- Hedgefonds,
- ETFs und deren Market Maker,
- Vermögensverwalter.
Diese Marktteilnehmer bewegen teilweise sehr große Geldbeträge.
Ein privater Trader kann beispielsweise innerhalb weniger Sekunden eine Position kaufen und verkaufen.
Ein großer Fonds kann das nicht immer.
Wenn ein Fonds eine sehr große Position aufbauen möchte, kann er nicht unbedingt einfach auf einen Knopf drücken und mehrere Millionen Aktien auf einmal kaufen.
Warum?
Weil er dadurch den Preis selbst massiv nach oben treiben könnte.
Deshalb werden große Positionen oftmals über einen längeren Zeitraum aufgebaut oder abgebaut.
Der Kauf wird beispielsweise auf viele kleinere Orders verteilt.
Dadurch kann im Chart über Stunden oder sogar Tage hinweg Kaufdruck entstehen.
Genau das kann einen Trend unterstützen.
Professionelle Trader
Professionelle Trader bewegen sich häufig wesentlich kurzfristiger.
Sie versuchen beispielsweise:
- einen bereits vorhandenen Trend zu handeln,
- einen Ausbruch zu nutzen,
- kurzfristige Übertreibungen zu handeln,
- auf Nachrichten zu reagieren,
- Liquidität auszunutzen,
- Arbitrage-Möglichkeiten zu finden,
- Gegenbewegungen zu handeln.
Ein Trader kann deshalb sowohl mit dem Trend als auch gegen den Trend handeln.
Dabei ist sein Zeithorizont entscheidend.
Ein Trader im 5-Minuten-Chart kann beispielsweise Short gehen, obwohl die Aktie im Tageschart einen starken Aufwärtstrend besitzt.
Beide Aussagen können gleichzeitig richtig sein.
Der langfristige Trend steigt.
Innerhalb dieses Trends findet gerade eine kurzfristige Abwärtsbewegung statt.
Private Anleger
Private Anleger reagieren oftmals anders.
Viele erfahren zum Beispiel erst über:
- Finanzportale,
- Börsenzeitschriften,
- YouTube,
- soziale Medien,
- Nachrichten,
- Analystenberichte
von einer Aktie.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass institutionelle Anleger grundsätzlich zuerst kaufen und danach erst die News erscheinen.
Diese Reihenfolge kann vorkommen, aber sie ist keine feste Börsenregel.
Manchmal löst tatsächlich eine neue Information den institutionellen Kauf aus.
Manchmal wurden Erwartungen bereits Wochen vorher eingepreist.
Manchmal verändert ein Fonds seine Position aus Gründen, die überhaupt nichts mit öffentlichen Nachrichten zu tun haben.
Und manchmal entsteht eine starke Bewegung tatsächlich erst unmittelbar nach Veröffentlichung einer Nachricht.
Genau deshalb darf man nicht grundsätzlich sagen:
Institutionelle kaufen → Kurs steigt → News erscheinen → Privatanleger kaufen.
Der Markt ist wesentlich komplexer.
Trotzdem gibt es einen interessanten Effekt.
Wenn eine Aktie bereits stark steigt, bekommt sie meistens zunehmend Aufmerksamkeit.
Plötzlich erscheint sie in Rankings:
„Die stärksten Aktien des Tages“
„Top Gewinner“
„Diese Aktie steigt heute 8 Prozent“
Dadurch werden weitere Marktteilnehmer aufmerksam.
Diese kaufen möglicherweise ebenfalls.
Dadurch kann der bereits vorhandene Trend zusätzlich verstärkt werden.
Warum Privatanleger häufig relativ spät reagieren
Hier entsteht ein psychologisch interessanter Effekt.
Eine Aktie steigt zunächst relativ unauffällig.
Professionelle beziehungsweise größere Marktteilnehmer sind vielleicht bereits positioniert.
Dann beschleunigt sich der Kurs.
Die Aktie erscheint plötzlich häufiger in den Medien.
Andere Trader entdecken den Trend.
Schließlich steigt die Aktie immer schneller.
Jetzt sieht der unerfahrene Anleger:
„Die Aktie steigt jeden Tag. Da muss ich rein.“
Er kauft möglicherweise genau dann, wenn die Bewegung bereits weit fortgeschritten ist.
Gleichzeitig können Marktteilnehmer, die wesentlich früher eingestiegen sind, anfangen ihre Gewinne mitzunehmen.
Dadurch entsteht ein interessantes Zusammenspiel:
Neue Käufer kommen in den Markt, während frühere Käufer anfangen zu verkaufen.
Genau solche Phasen können später zur Abschwächung eines Trends beitragen.
Das heißt nicht, dass jede stark gestiegene Aktie sofort fallen muss.
Aber je weiter ein Trend bereits gelaufen ist, desto wichtiger wird die Frage:
Wer kauft jetzt noch – und wer möchte seine Gewinne bereits realisieren?
Trendwenden entstehen nicht durch einen einzigen Marktteilnehmer
Auch hier muss man vorsichtig sein.
Eine Trendwende wird nicht automatisch dadurch ausgelöst, dass ein einzelner institutioneller Investor verkauft.
Vielmehr verändert sich irgendwann das Verhältnis zwischen Kauf- und Verkaufsdruck.
In einem Aufwärtstrend waren Käufer bisher stark genug, immer wieder neue Hochpunkte zu erzeugen.
Irgendwann passiert möglicherweise etwas anderes.
Der Kurs erreicht ein neues Hoch.
Aber der anschließende Rückgang fällt stärker aus.
Danach versucht der Kurs erneut zu steigen.
Jetzt schafft er möglicherweise kein neues Hoch mehr.
Genau hier wird es interessant.
Aus:
höherem Hoch → höherem Tief → höherem Hoch
kann plötzlich werden:
Hoch → tieferes Hoch → tieferes Tief.
Damit beginnt sich die Marktstruktur zu verändern.
Das kann ein viel wichtigeres Signal sein als eine einzelne Nachricht.
News sind nicht automatisch Ein- und Ausstiegssignale
Im Endeffekt sollte man News im Zusammenhang mit einer Aktie nicht automatisch technisch als Ein- oder Ausstiegspunkt verstehen.
Eine gute Nachricht bedeutet nicht automatisch:
Kaufen.
Eine schlechte Nachricht bedeutet nicht automatisch:
Verkaufen.
Die viel wichtigere Frage lautet:
Wie reagiert der Markt auf diese Nachricht?
Das ist ein großer Unterschied.
Kommt beispielsweise eine hervorragende Unternehmensmeldung heraus und die Aktie schafft es trotzdem nicht zu steigen, sollte mich das aufmerksam machen.
Denn vielleicht waren die Erwartungen bereits sehr hoch.
Vielleicht nehmen große Anleger Gewinne mit.
Vielleicht war die gute Nachricht bereits im Kurs enthalten.
Umgekehrt kann eine schlechte Nachricht erscheinen und der Kurs fällt kaum.
Auch das kann interessant sein.
Vielleicht sind bereits sehr viele Marktteilnehmer Short positioniert.
Vielleicht wurde eine noch schlechtere Nachricht erwartet.
Oder Verkäufer finden einfach nicht mehr genügend neue Marktteilnehmer, die bereit sind, zu noch tieferen Preisen zu verkaufen.
Deshalb sollte ich News nicht isoliert betrachten.
Interessanter ist:
News + Kursreaktion + Volumen + Marktstruktur.
Manchmal ist die Reaktion des Marktes auf eine Nachricht sogar interessanter als die Nachricht selbst.
Mehrere Zeiteinheiten beim Trendaufbau
Bei der Analyse des Trendaufbaus ist es wichtig, den Chart in mehreren Zeiteinheiten zu betrachten.
Zum Beispiel:
3 Minuten
5 Minuten
10 Minuten
30 Minuten
60 Minuten
Tageschart
oder noch größere Zeiteinheiten.
Jede dieser Zeiteinheiten kann einen eigenen Trendverlauf besitzen.
Der 5-Minuten-Chart kann steigen.
Der 60-Minuten-Chart kann gleichzeitig seitwärts laufen.
Der Tageschart kann wiederum einen Abwärtstrend zeigen.
Das klingt zunächst widersprüchlich, ist es aber nicht.
Der Markt besteht aus vielen Bewegungen innerhalb größerer Bewegungen.
Man kann es sich wie Wellen vorstellen.
Eine kleine Welle bewegt sich innerhalb einer größeren Welle.
Der Trend hängt von meinem Tradingstil ab
Deshalb gibt es auch nicht einfach „den Trend“ einer Aktie.
Die richtige Frage lautet:
Welchen Trend meine ich?
Für einen Scalper kann der Trend der letzten drei Minuten entscheidend sein.
Für einen Daytrader vielleicht der 5-, 15- oder 60-Minuten-Chart.
Für einen Swing-Trader möglicherweise der Tageschart.
Für einen langfristigen Anleger vielleicht sogar der Wochenchart.
Deshalb sollte ich vor einem Trade zuerst wissen:
Welche Zeiteinheit ist meine Hauptebene?
Danach kann ich größere Zeiteinheiten benutzen, um den übergeordneten Trend zu sehen, und kleinere Zeiteinheiten, um einen Einstieg genauer zu bestimmen.
Ein Trend ist das Resultat verschiedener Zeiteinheiten
Genau hier wird die Chartanalyse interessant.
Nehmen wir an:
Der Tageschart zeigt einen starken Aufwärtstrend.
Der 60-Minuten-Chart zeigt gerade eine Korrektur.
Der 5-Minuten-Chart beginnt anschließend wieder nach oben zu drehen.
Für einen Trader könnte genau diese Situation interessant sein.
Er handelt dann nicht einfach irgendeine kleine Bewegung.
Er versucht eine kurzfristige Bewegung zu finden, die wieder in Richtung des größeren Trends läuft.
Das nennt man häufig Multi-Timeframe-Analyse.
Dabei wird der Markt von einer größeren Zeiteinheit immer weiter heruntergebrochen.
Zum Beispiel:
Tageschart → übergeordneter Trend
60-Minuten-Chart → aktuelle Bewegung
5-Minuten-Chart → möglicher Einstieg
Damit bekommt der Trader wesentlich mehr Kontext.
Wie setzt man einen Stop richtig?
Der Stop gehört zu den wichtigsten Elementen eines Trades.
Ein Stop sollte möglichst nicht einfach irgendwo gesetzt werden, weil man beispielsweise sagt:
„Bei 2 % Verlust gehe ich immer raus.“
Das kann zwar Bestandteil einer Strategie sein, sinnvoller ist aber häufig ein Stop, der mit der Marktstruktur zusammenhängt.
Die grundlegende Frage lautet:
An welchem Punkt ist meine ursprüngliche Tradingidee nicht mehr gültig?
Genau dort sollte ein Stop grundsätzlich seinen Sinn bekommen.
Stop bei einem Aufwärtstrend
Nehmen wir einen Aufwärtstrend.
Der Kurs bildet immer wieder höhere Tiefpunkte.
Ich steige nach einer Korrektur Long ein, weil ich davon ausgehe, dass der Aufwärtstrend weitergeht.
Dann könnte ein sinnvoller Stop unter einem relevanten letzten Tiefpunkt liegen.
Warum?
Weil meine Tradingidee lautet:
Der Markt soll weiterhin höhere Tiefs bilden.
Fällt der Kurs deutlich unter das letzte wichtige Tief, stimmt meine ursprüngliche Annahme möglicherweise nicht mehr.
Damit gibt es einen sachlichen Grund für den Stop.
Stop nicht zu eng setzen
Ein häufiger Fehler besteht darin, den Stop extrem nahe an den Einstieg zu setzen.
Ein Markt bewegt sich niemals perfekt gerade.
Er schwankt.
Wird der Stop direkt an einer Trendlinie oder genau am letzten Tief gesetzt, kann bereits eine normale kurzfristige Bewegung den Stop auslösen.
Danach steigt der Kurs möglicherweise wieder.
Deshalb geben viele Trader dem Markt einen gewissen Puffer.
Wie groß dieser Puffer sein sollte, hängt unter anderem von der Volatilität, dem Instrument und der verwendeten Zeiteinheit ab.
Ein sehr volatiler Markt benötigt normalerweise mehr Platz als ein ruhiger Markt.
Der Stop bestimmt die Positionsgröße
Hier kommt ein sehr wichtiger Zusammenhang.
Eigentlich sollte nicht die Frage lauten:
„Wie viele Aktien möchte ich kaufen?“
Sondern:
„Wie viel Geld bin ich bereit zu verlieren, wenn meine Idee falsch ist?“
Danach kann man die Positionsgröße bestimmen.
Wenn mein sinnvoller Stop relativ weit entfernt liegt, muss meine Position kleiner werden.
Liegt der Stop näher, kann die Position entsprechend größer sein.
Das Ziel ist:
Der Stop wird anhand des Charts festgelegt und die Positionsgröße anhand des Stops.
Nicht andersherum.
Das ist ein wichtiger Bestandteil des Risikomanagements.
Nachlaufender Stop im Trend
Entwickelt sich der Trend in meine gewünschte Richtung, kann der Stop später nachgezogen werden.
Bei einem Aufwärtstrend entstehen neue höhere Tiefpunkte.
Der Stop kann dann Schritt für Schritt unter relevante neue Tiefpunkte verschoben werden.
Dadurch versucht der Trader, einen Trend möglichst lange laufen zu lassen und gleichzeitig bereits entstandene Gewinne zu schützen.
Aber auch hier darf der Stop nicht ständig nervös nachgezogen werden.
Sonst wird man bereits durch normale Marktschwankungen aus einer guten Position geworfen.
Kürzere Zeiteinheiten sind schwieriger
Zu beachten ist, dass das Handeln in sehr kurzen Zeiteinheiten häufig schwieriger wird.
Die absoluten Preisbewegungen sind kleiner und kurzfristiges Marktrauschen bekommt eine wesentlich größere Bedeutung.
Zusätzlich spielen:
- Spread,
- Slippage,
- Geschwindigkeit,
- Orderausführung,
- Handelskosten
eine immer größere Rolle.
Wer beispielsweise versucht, eine sehr kleine Bewegung auszunutzen, muss wesentlich präziser ein- und aussteigen.
Genau deshalb werden im kurzfristigen Trading teilweise auch gehebelte Produkte verwendet.
Hebel vergrößert nicht nur den Gewinn
Mit einem Hebel kann eine relativ kleine Kursbewegung einen wesentlich größeren Effekt auf das eingesetzte Kapital haben.
Das funktioniert allerdings in beide Richtungen.
Der Hebel multipliziert nicht nur den Gewinn.
Er multipliziert genauso schnell den Verlust.
Je höher der Hebel, desto kleiner kann bereits die Kursbewegung sein, die zu einem erheblichen Verlust führt.
Bei marginbasierten Produkten kann dadurch außerdem ein Margin Call beziehungsweise eine Zwangsschließung der Position entstehen.
Deshalb sollte ein Hebel niemals benutzt werden, nur weil eine Bewegung im kurzfristigen Chart ansonsten „zu klein“ erscheint.
Der Hebel verändert nicht die Qualität eines Trades.
Er verändert hauptsächlich dessen Risikoprofil.
Begriffserklärungen
Long
Long bedeutet, dass ein Marktteilnehmer auf steigende Kurse setzt.
Er profitiert grundsätzlich davon, wenn der Preis des gehandelten Instruments steigt.
Man sagt:
Long gehen.
Short
Short bedeutet, dass ein Marktteilnehmer auf fallende Kurse setzt.
Er profitiert grundsätzlich davon, wenn der Preis des gehandelten Instruments fällt.
Je nach Instrument funktioniert die technische Umsetzung unterschiedlich.
Bei Aktien können beispielsweise Aktien geliehen und verkauft werden.
Bei Futures kann direkt eine Short-Position durch den Verkauf eines Kontrakts eröffnet werden.
Sell Stop
Bei einer bestehenden Long-Position kann eine Verkaufs-Stop-Order zur Verlustbegrenzung verwendet werden.
Fällt der Markt auf den festgelegten Stop-Preis, wird eine Verkaufsorder ausgelöst.
Dadurch kann die bestehende Long-Position geschlossen werden.
Der gebräuchlichere Begriff hierfür ist deshalb:
Sell Stop beziehungsweise Stop-Loss für eine Long-Position.
Buy Stop
Bei einer Short-Position funktioniert es entsprechend umgekehrt.
Steigt der Markt gegen den Trader, kann eine Kauf-Stop-Order oberhalb des aktuellen Kurses liegen.
Wird dieser Preis erreicht, wird eine Kauforder ausgelöst und die Short-Position kann dadurch geschlossen werden.
Der gebräuchliche Begriff ist:
Buy Stop beziehungsweise Stop-Loss einer Short-Position.
Sell to Close
Sell to Close bedeutet:
Eine vorhandene Long-Position wird durch einen Verkauf geschlossen.
Ich habe beispielsweise vorher gekauft und verkaufe anschließend wieder.
Buy to Cover
Buy to Cover bedeutet:
Eine vorhandene Short-Position wird durch einen Kauf zurückgekauft beziehungsweise geschlossen.
Der Trader war vorher Short und beendet jetzt diese Position.
Higher High – HH
Higher High bedeutet:
höheres Hoch.
Ein neues Hoch liegt über dem vorherigen Hoch.
Mehrere Higher Highs gehören zu einer typischen Struktur eines Aufwärtstrends.
Higher Low – HL
Higher Low bedeutet:
höheres Tief.
Der Markt korrigiert, fällt dabei aber nicht mehr bis zum vorherigen Tief.
Auch das ist ein klassisches Merkmal eines Aufwärtstrends.
Damit besteht ein sauberer Aufwärtstrend häufig aus:
HH → HL → HH → HL
Lower High – LH
Lower High bedeutet:
tieferes Hoch.
Nach einer Erholung schafft der Markt es nicht mehr bis zum vorherigen Hoch.
Das kann Bestandteil eines Abwärtstrends sein.
Lower Low – LL
Lower Low bedeutet:
tieferes Tief.
Der Markt unterschreitet das vorherige Tief.
Ein klassischer Abwärtstrend besteht häufig aus:
LL → LH → LL → LH
Marktstruktur
Der Begriff Marktstruktur beschreibt genau dieses Zusammenspiel aus Hochs und Tiefs.
Man schaut also nicht nur darauf:
Steigt oder fällt der Kurs gerade?
Sondern:
Wie entstehen die Hoch- und Tiefpunkte zueinander?
Damit kann man Veränderungen in einem Trend oftmals früher erkennen.
Breakout – Ausbruch
Ein Breakout entsteht, wenn der Kurs einen bisher wichtigen Bereich durchbricht.
Das kann beispielsweise sein:
- ein vorheriges Hoch,
- ein vorheriges Tief,
- ein Widerstand,
- eine Unterstützung,
- eine Trendlinie.
Ein Ausbruch bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Bewegung weitergeht.
Es gibt auch sogenannte False Breakouts, also Fehlausbrüche.
Pullback – Rücksetzer
Ein Pullback ist eine Gegenbewegung innerhalb eines vorhandenen Trends.
In einem Aufwärtstrend steigt der Kurs beispielsweise zunächst und fällt anschließend etwas zurück.
Dieser Rücksetzer kann einen neuen Einstieg ermöglichen, wenn anschließend der ursprüngliche Trend weiterläuft.
Damit ist nicht jede fallende Bewegung automatisch ein Abwärtstrend.
Sie kann lediglich ein Pullback innerhalb eines größeren Aufwärtstrends sein.
Reversal – Trendwende
Ein Reversal bezeichnet eine tatsächliche Umkehr der bisherigen Trendrichtung.
Aus einem Aufwärtstrend entsteht beispielsweise ein Abwärtstrend.
Eine Trendwende sollte aber nicht vorschnell angenommen werden.
Ein einzelner fallender Kursabschnitt reicht dafür nicht unbedingt aus.
Interessanter wird es, wenn sich zusätzlich die Marktstruktur verändert.
Support – Unterstützung
Eine Unterstützung ist ein Preisbereich, in dem in der Vergangenheit verstärkt Käufer aktiv geworden sind.
Der Kurs hat dort beispielsweise mehrfach nach oben gedreht.
Eine Unterstützung ist aber keine feste Mauer.
Sie kann jederzeit gebrochen werden.
Resistance – Widerstand
Ein Widerstand ist entsprechend ein Bereich, in dem bisher verstärkt Verkäufer in den Markt gekommen sind.
Der Kurs hatte dort Schwierigkeiten weiterzusteigen.
Auch ein Widerstand ist keine Garantie dafür, dass der Markt dort erneut drehen wird.
Stop-Loss
Ein Stop-Loss ist eine Order beziehungsweise Handelsregel zur Begrenzung eines Verlustes.
Er beantwortet die Frage:
Wann akzeptiere ich, dass meine ursprüngliche Tradingidee falsch war?
Das ist eigentlich viel wichtiger als die Frage, wo ich den maximal möglichen Gewinn erwarten kann.
Take-Profit
Ein Take-Profit legt einen Kurs fest, an dem eine profitable Position automatisch beziehungsweise geplant geschlossen wird.
Damit wird ein entstandener Gewinn realisiert.
Risk-Reward-Ratio – Chance-Risiko-Verhältnis
Das Chance-Risiko-Verhältnis vergleicht den möglichen Gewinn eines Trades mit dem möglichen Verlust.
Der Trader sollte also vor dem Einstieg nicht nur überlegen:
„Wie viel kann ich verdienen?“
Sondern gleichzeitig:
„Wie viel verliere ich, wenn ich falsch liege?“
Volatilität
Die Volatilität beschreibt, wie stark der Preis eines Finanzinstruments schwankt.
Eine hohe Volatilität bedeutet größere Kursbewegungen.
Eine geringe Volatilität bedeutet kleinere Bewegungen.
Die Volatilität spielt unter anderem bei der Stop-Platzierung eine wichtige Rolle.
Margin
Die Margin ist vereinfacht gesagt die Sicherheitsleistung, die bei gehebelten Produkten hinterlegt werden muss.
Man kontrolliert dabei häufig eine Position mit einem wesentlich höheren Nominalwert als dem tatsächlich hinterlegten Kapital.
Margin Call
Ein Margin Call entsteht, wenn das vorhandene Kapital beziehungsweise die hinterlegte Sicherheit für die offene Position nicht mehr ausreichend ist.
Je nach Broker und Produkt kann zusätzliches Kapital erforderlich werden oder die Position wird automatisch reduziert beziehungsweise geschlossen.
Was ich aus dem Trendaufbau mitnehme
Ein Trend besteht nicht einfach daraus, dass der Kurs steigt oder fällt.
Er besteht aus einer Struktur von Hochs und Tiefs.
Beim Aufwärtstrend:
höhere Hochs + höhere Tiefs.
Beim Abwärtstrend:
tiefere Tiefs + tiefere Hochs.
Hinter diesen Bewegungen stehen unterschiedliche Marktteilnehmer mit vollkommen unterschiedlichen Zielen und Zeithorizonten.
Institutionelle Anleger können große Positionen aufbauen oder abbauen.
Trader versuchen kurzfristige Bewegungen auszunutzen.
Private Anleger reagieren teilweise auf bereits laufende Trends und Nachrichten.
Algorithmen führen gleichzeitig riesige Mengen an Orders aus.
Aus diesem gesamten Zusammenspiel entsteht letztendlich der Chart.
Deshalb sollte ich nicht ständig versuchen, jede Bewegung ausschließlich mit einer Nachricht zu erklären.
Viel wichtiger ist es zu beobachten:
Wie verhält sich der Markt tatsächlich?
Wo entstehen neue Hochs?
Wo entstehen neue Tiefs?
Wann verändert sich die bisherige Struktur?
Wie verhält sich der Kurs nach einer Nachricht?
Was passiert in der größeren Zeiteinheit?
Und vor allem:
An welchem Punkt ist meine eigene Tradingidee nicht mehr gültig?
Genau dort beginnt für mich vernünftiges Risikomanagement.